Der Name Thumb

Was den Namen „Tumbo, Tumb, Tumbin als Beiname zu bedeuten hat, ergibt sich aus der einigemal vorkommenden Übersetzung Stultus, nur muss man sich dabei an die ursprüngliche Bedeutung des Wortes „dumpf,unerfahren“ halten. Uhland, Schreiben zu Geschichte der Dichtkunst, S 242, sagt: „Weil die Könige jung sind, bedürfen sie des Rates von Erfahrenen. Den Jungen, Tumben, stehen die Alten und Erfahrenen zur Seite.“

Vilmar (Nationall. S. 131) macht über das Wort „tumb“ mit Beziehung auf Parsival die Bemerkung: „der in sich Versunkene, der Unerfahrene, der das stille Heimatsgefühl und den dunklen aber mächtigen Trieb in der Ferne noch ungeschieden in sich trägt, reitet in den Wald hinaus“, ein Zustand , den die alte Sprache sehr bezeichnend durch das einzige Wort „tumb“ ausdrückte.

Quelle: Ernst Boger, Thumbsche Chronik,
Geschichte der freiherrlichen Familie Thumb von Neuburg, Stuttgard 1885

 

Die älteste Heimat der Thumb ist das jetzt württembergische Oberschwaben, der Bezirk Ravensburg. Dort im Mittelpunkt des welfischen Herrschaftsgebietes, bei Altdorf Ravensburg war auch das welfische Ministerialengeschlecht zu Hause.

Als ältester bekannter Ahnherr wird Hainricus Tumbo zu betrachten sein, der am 2. April 1188 unter den vormals welfischen Ministerialen des Herzogs von Schwaben, des Hohenstaufen Friedrich bei seiner Bestätigung der welfischen Schenkungen an das Kloster Steingaden als Zeuge angeführt ist.

Quelle: Ernst Boger, Thumbsche Chronik, 1885 S 1

 

Ahnentafel Thumb nach Zösmair
Ahnentafel Thumb nach Zösmair

Der Sohn von Heinrich Thumb dürfte Swigerus Tumbe gewesen sein, welcher dem Kloster Weißenau  (Filialkloster von Weingarten) ein Gut zu Sulpach in der Gemeinde Baindt, nördlich von Ravensburg gab. Heinrich starb vor 1220, dürfte in Weingarten oder Weißenau begraben sein. Heinrich war vermählt mit einer Schwester Eberhard von Truchsäßen von Waldburg. Er hinterließ 3 Söhne: Albert, Heinrich und einen ungenannten, welcher Mönch des Klosters Einsiedeln und Probst von Friesen, heute St. Gerold im Walsertal wurde.

Zösmair Joseph:  Die Neuburg und Geschichte der Ritter Thumb von Neuburg in Vorarlberg bis zum Verkaufe ihrer Herrschaft an Österreich 1363… Bregenz, 19. Rechenschaftsbericht des Ausschusses des Vorarlberger Museumsvereins, 1879, S 18 u 19 Anmerkung 1)

Als zweiter des Namens Thumb ist (aber nicht mit Sicherheit) zu bezeichnen „Swiegerus“ „Swierus de Walpurg dedit predium in Sulpach“. Dieser Swigerus wird aber auch zu den Waldburg gezählt.
Die Stammeszugehörigkeit der Thumb und Waldburg glaubte man schon früher annehmen zu müssen, weil der nachfolgende Thumb Albertus  als nepos Neffe des Truchsessen Eberharde von Waldburg bezeichnet wird.
So kann man vermuten, dass der Vater Alberts, vielleicht eben dieser Swiegerus, eine Schwester oder nahe Verwandte des Truchsessen zur Gemahlin gehabt habe.

In der Mitte des 15. Jhds. bestätigten sich die Truchseß von Waldburg, die Thumb von Neuburg und die Winterstetten Schmalegg einander, daß sie Nachkommen eines gemeinsamen Vorfahren seien und einigten sich auf den gemeinamen Helmschmuck für Turniere (grüne Tanne mit goldenen Zapfen).

Nach dem Thumbschen Archiv 1484 bekennt Truchsess Johannes über sein Wappen, von seinem Vater Jakob Truchsess sei berichtet worden, dass die Truchsessen von Waldburg und die Thummen von Nuwenburg  und die Schenken von Winterstetten von einem Namen und Stammen seien, auch eines Helms, das ist ein grüner Tann mit güldenem Tannzapfen geweßt, ein smi auf dem Schild und eins auf dem Helm, dann haben sie sich geteilt.
Hans Thumb von Neuburg, Ritter, bekennt 1477, daß er von seinem Vater (Schwicker) und Älteren berichtet, als dass die Thummen, die Waldburg und die Winterstetten, von einem Namen und Stamm seien.

Quelle: Ernst Boger, Thumbsche Chronik,  Stuttgard 1885 S 3 u 4

und Paravicini Werner, bearbeitet von Jan HIRSCHBIEGEL, Grafen und Herren (Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich : Teibd. 2). Ostfildern: Thorbecke, 2012, Autoren Hengerer, Mark

 

 

Mit Albertus Tumbin beginnt die sichere Reihe der Ahnen: Albert, Albrecht ist neben Schwicker, Johann (Hans) Konrad, der Name von Gliedern der Familie Thumb und zwar der bedeutendsten Männer des Hauses.
Es ist nicht viel, was über diesen Albert überliefert ist, doch es genügt über den Wohnsitz und seines Hauses im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts einiges Licht zu verbreiten.

Aus der „acta St. Petri in Augua“ (Baumann Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins XXIX S 76 ) ergibt sich, dass Albert Thumb noch zu der Zeit lebte, ehe Friedrich II. die Kaiserkrone erhalten hat, also vor dem 22. November 1220, dass er in Benzenhofen und Sulpach (OV Ravensburg) begütert war und dass er 7 Söhne von einer Gemahlin, die sehr wahrscheinlich aus dem Hause Bürgeln war hatte. (Reg.1)

Die Güter von Sulpach waren Eigengüter, es ist also wohl auch anzunehmen, dass Albert seinen Wohnsitz in der Nähe hatte, vielleicht in Baindt.

Die Bezeichnung „von Neuburg“ fehlt bei Albert und seinen Vorfahren, daraus ist zu schließen, auch damals die Neuburg noch nicht besaß.
Wann und wo Albert gestorben ist, wissen wir nicht, jedenfalls vor 1240, denn in diesem Jahr verkauften die Brüder Friedrich und Heinrich von Neuburg, genannt Thumb, das Dorf Baindt an den Schenken von Winterstetten

Quelle: Ernst Boger, Thumbsche Chronik, ….Stuttgard 1885 S 3, u 5
Nach Abschriften im Thumbschen Archiv

Von Ritter Albert Thumb; Neffe von Heinrich kaufte Eberhard von Waldburg vor dem 22. November 1220 zur Zeit Kaiser Friedrichs II. für 63 Mark den Hof Benzenhofen in der Gemeinde Berg bei Ravensburg und schenkte ihn dem Kloster Weißenau (Weingarten). Später tritt Albert Thumb als Zeuge auf Schloss Waldburg bei einem Streit zwischen Leuten des Klosters Weingarten und der Kirche von Weißenau.

Ritter Berchtold von Winenden wollte mit Kaiser Friedrich II. um 1227 einen Kreuzzug ins heilige Land antreten. Um das nötige Geld zu erhalten verkaufte er einen Hofin Sulpach, der Lehen von den beiden Rittern Albert Thumb und Burkard von Tobel war. Daher brauchte er deren Zustimmung. Albert hatte 7 Söhne, die ebenfalls zustimmen mussten. z.B. Friedrich, Walther, Heinrich, Eberhard, Ulrich, Jakob und Marquard.

Quelle: Zösmair Joseph: Die Neuburg und Geschichte der Ritter Thumb von Neuburg, ……….1879 S 18, 19 u 20 

 

Die sichere Stammreihe beginnt mit dem vor 1240 gestorbenen Albertus Tumbin.

Die Söhne Alberts schrieben sich alle „von Neuburg“. Er muss das Lehen Neuburg um 1230 als Lehen bekommen haben.

König Heinrich teilte Haus- und Reichsgüter in Hülle und Fülle aus. Abt Konrad von St. Gallen erhielt 1229 den Reichshof Krießern, welcher sich von Blatten bis Diepoldsau erstreckte. Um diese Zeit bekamen die Thumben die Herrschaft Neuburg auf dem rechten Rheinufer.
Albert Thumb kann etwa bis 1237 gelebt haben. Der älteste von seinen Söhnen ist Friedrich I. von Neuburg, Stammvater der Hauptlinie in Vorarlberg.

Quelle: Zösmair Joseph:  Die Neuburg und Geschichte der Ritter Thumb von Neuburg … Bregenz, 1879

Um 1227 hatte Albert 7 Söhne. Friedrich, der älteste, Walther, Heinrich, Eberhard, Ulrich, sowie ziemlich bestimmt Jakob und Marquard.
Friedrich, Heinrich, Ulrich und Marquard waren Laien, Eberhard, Jakob und Walther waren Kleriker.

Quelle: Zösmair Joseph:  Die Neuburg und Geschichte der Ritter Thumb von Neuburg … Bregenz, Rechenschaftsbericht Burgenausschuss VLMV.  1879

Ein Sohn Alberts ist in Muntalt bei Ilanz.
Die anderen sind in Friesen oder St. Gerold, wo auch Vater und Mutter um diese Zeit wohnhaft waren, ebenso zwei Brüder des Vaters, wobei der eine Probst in Friesen war.
1257 wird ein Mangold, genannt Tumbe Bürger von Meersburg erwähnt.
1352 kommt ein Wernher von Tumm , Bürger von Pfullendorf vor.

Außer den zwei Söhnen Alberts,  Friedrich und Heinrich ist noch Eberhard mit Sicherheit nachweisbar, er war Churer Kleriker Dekan zu Göfis und Dekan des Churer Kapitels.
Ob der als Ulricus bezeichnete Sohn Alberts, identisch ist mit Ulricus Boemus de Niwenburch 1237 muss dahin gestellt sein.

Um 1240 bis 1275 treten sehr häufig in Urkunden auf, die Churer Kanoniker Walther und Jakob von Neuburg (de castro Novo) auf. Ob sie Söhne Alberts sind oder ob sie zur Sippschaft des Bischofs Volkard von Chur gehören (1237 – 51) der bei Moor I 213 Volcard de Niwenbure, Cannonie eccl. Cur ) ist offen.

Nach Zösmair gehört auch Marquard von Schellenberg zu Alberts Söhnen. Er wird auf einem Siegel Markward von Neuburg bezeichnet und ist durch seine Beziehung zum Kloster Kreuzlingen und gemeinsamen Auftreten mit den Thumb, bis 1267 als Familienmitglied möglich.

Quelle: Ernst Boger, Thumbsche Chronik, … Stuttgard 1885 S 3, u 5

Noch im 13. Jahrhundert spaltete sich das Geschlecht der Tumb in einen Neuburger Zweig, in dem die Vornamen Schwicker und Friedrich dominierten, und einen ,,Behaim“-Zweig, der diesen Übernamen weiterführte. Letzterer wurde auf Birkach (Birken) am Südhang des Kummenberges, wohl im Bereich des heute noch bestehenden Schlößchens, sowie im St. gallischen Rheintal ansässig, *1
Ebenfalls in engstem genealogischen Zusammenhang mit den Tumb von Neuburg standen die Herren von Schellenberg, die wappengleich mit den Neuburgern waren.
Ein weiterer Zweig der Neuburger ist schließlich auch auf dergleichnamigen Burg in Graubünden bei Untervaz etwa zwischen 1325 und 1375 nachgewiesen, *2
Aber nicht nur auf Burgen und Edelsitzen finden sich die Tumb von Neuburg, etwa ein Fünftel der urkundlich erwähnten männlichen Familienmitglieder war, den Gebräuchen der Zeit entsprechend, im geistlichen Stand versorgt worden, überwiegend mit Kanonikaten des Bistums Chur:

Quellen: Alois Niederstätter, Koblachbuch 1995,
*1 Zösmair Joseph:  Die Neuburg und Geschichte der Ritter Thumb von Neuburg … Bregenz,  1879 S 36
*2 Otto P. Clavadetscher und Werner Meyer, Das Burgenbuch von Graubünden (Zürich, Schwäbisch Hall 1984) S. 314. 

Ob der als Ulricus bezeichnete Sohn Alberts, identisch ist mit Ulricus Boemus de Niwenburch 1237 muss dahin gestellt sein. Die Boemus, häufig neben den Thumb genannt, waren in der Nähe begütert, führten aber ein anderes Wappen.
Nach diesem Ulricus Boemus erscheint ein Eberhard, dann ein Rudolf Behaim 1256, ein Rudolf der wilde Behaim von Birkach 1256, 1267, 1270, 1294.

Quelle: Ernst Boger, Thumbsche Chronik, .. Stuttgard 1885 S 3, u 5 

Ältere Genealogen, wie Gabelkhover gingen davon aus, dass das Schloss Untervaz Stammsitz der der Familie Thumb war. Allein bis Anfang des 4. Jhdt. findet sich keine einzige Nachricht, aus der man schließen kann, dass die Thumb schon damals in Besitz dieser Neuburg in Untervaz gewesen wären.

Dagegen war die Familie von der Mitte des 13. Jhdt. an spätestens im Besitz der Neuburg in Koblach. Und auch in der Verkaufsurkunde von 1363 heißt es: „wie unsere vordern und wir das von alters herbracht und besessen haben“.

Hess Mon. Guelf. S 43 Anm. sagt von dieser Neuburg:
Est castrum Neuburg medio itinere inter Brigantium et Veldkirchium in colle sublimi e planitie assurgens.
Muri et turres vastissimae illud eoronant. Ante paucos annos (vor 1784) tectis dejectis nunc ad suum properare interitum pergit. Vix unius horae quadrantis intervallo est opposituin castrum Muntisfortis ad Clusam.

Schloss Neuburg liegt auf halbem Weg zwischen Brigantine und Veldkirch auf einem Hügel, der sich aus der Ebene erhebt. Es ist von mächtigen Mauern und Türmen umgeben. Vor einigen Jahren (1784) wurden die Dächer abgerissen, und nun ist das Schloss dem Verfall preisgegeben. Nur knapp eine Viertelstunde entfernt liegt das gegenüberliegende Schloss Montfort bei Clus.

Es liegt nahe, dass Albert Thumb nach 1227, vielleicht durch Vermittlung seines einflussreichen Oheims, des Truchsessen Eberhard von Waldburg, in den Besitz der Herrschaft Neuburg, die größtenteils Reichslehen, zum Teil auch Pfand vom Reich war, kam. Seine Söhne nenen sich „de Nuwinbure“.

Bergmann sagt: Die Thumb sind ein altgraubündisches Geschlecht und war in Untervaz ansässig
(Archiv zur Kunde österr. Geschichtsquellen III, 75.)
Auch Juvalta sagt im Necrologium Curiense Die Thumben kamen im 13. Jhdt. nach Öberrätien.

Quelle: Ernst Boger, Thumbsche Chronik, …Stuttgard 1885 S 3, u 5 6 7

 

Friedrich I., der älteste Sohn des Albert Thumb starb vor 1256.

Die Brüder Adalbero und Kiso waren die ersten, uns namentlich bekannten welfischen Dienstleute, die in der Mitte des 12. Jahrhunderts im Auftrag ihres Herrn, Herzog Welf VI., auf der Neuburg saßen. Zwar adelig, aber persönlich unfrei mußten die Ministerialen ihren Herren nicht nur unbegrenzt Dienst leisten, sondern auch deren Zustimmung etwa bei der Verehelichung einholen, man vererbte, verschenkte oder vertauschte sie. Diese Schicht unfreier ritterlicher Adeliger bildete den Kern des militärischen Potentials des hohen Adels, hatte Burghuten inne, amtierte als Vögte, als Richter. Woher Adalbero und Kiso stammten, ist ungewiß, vielleicht aus dem Stammland der süddeutschen Welfen um Ravensburg.

 

Quelle: Alois Niederstätter, Koblach Heimatbuch, 1995, Koblach Gemeinde, Herausgeber 

Nach dieser ersten Nennung zweier Bewohner bzw. Inhaber der Neuburg schweigen die Quellen für beinahe ein Jahrhundert.
Erst 1240 nennt eine Urkunde zwei Brüder Friedrich und Heinrich, die das Prädikat ,,von Neuburg“ führten. *1 Ob sie mit ihren Vorgängernaus dem 12. Jahrhundert verwandt waren, wie immer wieder postuliert wurde, *2 muß allerdings dahingestellt bleiben. Diese jüngeren Neuburger sind in der urkundlichen Überlieferung leicht erkennbaran ihrem Übernamen ,,Tumb“ (in lateinischen Texten: stultus), der tatsächlich nichts anderes bedeutet als ,,einfältig“. Die Tumbstammten allem Anschein nach ebenfalls aus der welfischen Dienstmannschaft und fielen mit dieser an die Staufer. 1188 nennt eine Urkunde Hainricus Tumbo als ersten dieses Geschlechtes, das dann in weiterer Folge in den Jahren vor 1240 in den Besitz der Neuburg gelangte, in dem sie für mehr als ein Jahrhundert – bis zum Jahr 1363 – verbleiben sollte.*3

Niederstätter, Koblach Heimatbuch, 1995, 

*1 Helbok,  Thurgauisches Urkundenbuch. 2. Band: 1000-1250.  n. 406. 
*2 Vgl. etwa Ulmer, S. 298 sowie die Stammtafel bei Helbok, S. 141. 
*3 Dazu ausführlich Zösmair, S. 18 ff.

 

Schon bevor das Geschlecht die Neuburg erhielt, war es in Vorarlberg begütert, und zwar im Bereich von Friesen (urkundlich Frisun), dem heutigen St. Gerold. Die Tumb gelten als die Stifter dieser Propstei, die sie wohl selbst dem Benediktinerkloster Einsiedeln im Kanton Schwyz übertrugen. *1 Eine Urkunde aus dem Jahr 1227, die in Friesen ausgestellt wurde, nennt einerseits diesen Ort als Wohnsitz des Albert Tumb und seiner Familie und andererseits Alberts Bruder – ohne Angabe des Vornamens – als Propst des Klosters in Friesen *2

Niederstätter, Koblach Heimatbuch, 1995,

*1 Josef Zösmair, Gründungsgeschichte der Vorarlbergischen Klöster des Mittelalters. 4. Die Propstei Friesen, später St. Gerold genannt. ln: Jahres-Bericht des Ausschusses des Vorarlberger Museum-Vereins 24 (1885), S. 30-48, hier S. 43.
*2 Helbok, Quellen zur Geschichte Vorarlbergs und Liechtensteins bis 1260 n. 375.

Die gesellschaftliche Rolle der Tumb von Neuburg entsprach ihrer politischen Stellung. Sie standen in Heiratsbeziehungen mit den hochadeligen Grafen von Montfort und gelangten in den Pfandbesitz eines Teiles der Herrschaft Feldkirch, darunter in den der Feste Neumontfort.*1

 

Quelle: Niederstätter, Koblach Heimatbuch, 1995,
*1 Zösmair, die Neuburg und Geschichte der Ritter Thumb von Neuburg … Bregenz, Rechenschaftsbericht Burgenausschuss VLMV.  1879, S. 44.

Nach der Mitte des 14. Jahrhunderts stellten sie sich jedoch in einem Streit zwischen den Grafen von Werdenberg und den Feldkircher Montfortern auf die Seite ersterer und begaben sich in den ausdrücklichen Schutz des Reiches, damals repräsentiert durch Kaiser Karl lV. Als Hugo Tumb von Neuburg im Winter 1362 unvorsichtigerweise nach Feldkirch kam, ließ ihn Graf Rudolf von Montfort, trotz naher Verwandtschaft – Rudolf war Hugos Onkel – und des kaiserlichen Schutzes, den Hugo genoß, im Haus eines Feldkircher Bürgers überfallen und inhaftieren. Anschließend zog der Graf vor die den Neuburgern verpfändete Neumontfort, die sich ergeben mußte. Zwar einigten sich Rudolf von Montfort und Hugo von Neuburg alsbald, woraufhin Hugo freikam. Er und sein Bruder Schwicker waren jedoch einerseits tief gekränkt und fühlten sich andererseits weiteren Auseinandersetzungen dieser Art nicht mehr gewachsen. So entschlossen sie sich zum Verkauf ihrer Herrschaft, und zwar an die Herzöge von Österreich.

Quelle Niederstätter Koblach Heimatbuch, 1995,

Um 1347 verwickelten sich Schwicker und Hugo von Thumb zu Gunsten ihrer Verwandten Seifried und Johann Thumb von Ober-Neuburg (Vaz) in einen Krieg mit Abt und Bürgern von Kempten.
Der Bruder der Mutter von Seifried und Johann Thumb, Konrad von Rotenstein, hatte einen Bürger von Kempten erschlagen. Die Kempter nahmen Rotenstein gefangen und richteten ihn hin. Dies trieb die Verwandschaft des Rotenstein zur Blutrache. Sie führten einen verheerenden Krieg gegen die Bürger und den Abt. In dieser Fehde geriet Schwicker von der Neuburg in Vorarlberg in Gefangenschaft und musste ich mit der großen Summe von 1000 Pfd Pf. loskaufen, was seine materielle Lage bedeutend verschlimmerte. *1

Am 30. April 1348 schlossen zu Feldkirch auch Seifried und Johann Thumb „von der obern Niuwenburg“ und Märk von Castelmur mit Abt und Bürgern Friede in der Sache Kunzens von Rotenstein. *2

 

Quelle: Zösmair Joseph:  Die Neuburg und Geschichte der Ritter Thumb von Neuburg … Bregenz, 1879, S 42

*1 J.B. Haggenmüller, Geschichte der Stadt und gefürsteten Grafschaft Kempten I, 133 usw
*2 Lang- Freyberg Reg. Boica VIII 131

 

Die Tumb von Neuburg verließen alsbald das Land, Hugo wurde habsburgischer Vogt zu Kyburg, später waren Linien des Geschlechtes am Hochrhein und am Neckar ansässig. Angehörige der Familie erlangten das Erbmarschallamt von Württemberg. Bis ins 15. und frühe 16. Jahrhundert sind allerdings auch noch Verbindungen zu Vorarlberg und sogar Besitz in der Herrschaft Neuburg feststellbar *1

Quelle Niederstätter Koblach Heimatbuch, 1995,

*1 Siehe Andreas Ulmer, Burgen und Edelsitze Vorarlbergs und Liechtensteins. Dornbirn 1978  S. 309f.,
sowie die Übertragung des Udelbergs  1529 an Hans Emser.

Der Ansitz Udelberg
Ein dritter Adelssitz – neben Birkach und Bocksberg – entstand in der frühen Neuzeit auf dem östlichen Ausläufer des Kummen, dem Udelberg (auch Nudelberg). Dieser bildete einen geschlossenen Gutskomplex und war im ausgehenden 15. Jahrhundert, da vom Verkauf an Österreich 1363 nicht betroffen, noch im Besitz derTumb von Neuburg, die ihn einem Hans Emser – einem illegitimen Sproß der Ritter und späteren Reichsgrafen von Hohenems – zu Lehen gaben. 1529 schenkten schließlich Hans Konrad Tumb von Neuburg, Erbmarschall von Württemberg, und sein Bruder Hans Friedrich dem gleichnamigen Sohn des Hans Emser als Lohn für dessen treue Dienste das Gut Udelberg mit allem Zubehör, das einen gesamten Umfang von 18 Mannmahd hatte, was knapp sechs Hektar entspricht. Zum Gut gehörte nicht nur das Gebiet des Udelbergs selbst, sondern auch das Krinna (Krynnachh) bis zum Bocksweiher.  *1

Quelle Niederstätter Koblach Heimatbuch, 1995,
*1 VLA Urk. 5723.

 

 

Schwicker Thumb verheiratete sich mit Katharina von Erolzheim, Hugo verheiratete sich mit einer Tochter des Ritters Albrecht von Schauenstein- Tagstein im Bündnerland.

Quelle: Zösmaier: die Neuburg und Geschichte der Ritter Thumb von Neuburg … Bregenz, Rechenschaftsbericht Burgenausschuss VLMV.  1879, S 41 

Infolge der Fehden und Verkäufe kam die die Familie der Thumb in Graubünden so herab, dass sie schließlich die Verpfändung ihrer Feste Neuburg und aller dazu gehörigen Güter schreiten musste. Am 9. Feburar 1365 wir hievon als von einer vollendeten Tatsache gesprochen.

Von dieser Familie ist weiter nichts mehr erwähnt. Aus dem Umstande, dass zu Beginn der Neunziger Jahre des 14. Jhdt. Ober-Neuburg sich in den Händen der älteren Linie Thumb befindet, dass due jüngere entweder ausstarb oder wenigstens in Bedeutungslosigkeit versank, wessewegen die Hauptlinie sie beerbte oder die Neuburg für sie einlöste.

Quelle: Zösmaier: die Neuburg und Geschichte der Ritter Thumb von Neuburg … Bregenz, Rechenschaftsbericht Burgenausschuss VLMV.  1879, S 52