Gedicht "Nüburg" von Franz Elsensohn

Am 8. April 1363 wurde von den Rittern Thumb von Neuburg die Urkunde zum Verkauf der Herrschaft Neuburg samt Burg an die Habsburger in der aargauischen Stadt Baden unterzeichnet. Die Herrschaft Neuburg war in etwa identisch mit der heutigen Gemeinde Koblach. Somit war die Neuburg mit Koblach der erste territoriale Besitzerwerb der Habsburger in Vorarlberg. Koblach feiert dieses Ereignis als Zugehörigkeit zu Österreich. 2013, beim 650er Jubiläum hat Franz Elsensohn in einem Gedicht die Geschichte der Neuburg treffend beschrieben.
Gedicht "Nüburg" von Franz Elsensohn

Zum 650er!  

Franz Elsensohn, 2013

Ana 1363, also vor 650 Johr jetz genau,
ischt d’ Nüburg scho lang g’standa i dr Nöhe vom Kumma,
scho meh as zwoahundert Johr alt ischt er do gsi dea Bau
um äne Zit, viel Gnäuers woaßt ma hüt leider numma.

Vo da Welfa ischt gredt wora  und vo da Staufer o,
und wie äne dia Burg gia hond da Neuburger Ritter
zum Verwalta und natürle zum Verteidiga o,
halt zum Druf-Luaga und Kümmara und so witer.

Was ma sus noch all’s vo deana Ritter woaßt,
ischt einiges, unter anderem o, dass sie ghoaßa hond »Tumb«.
Äs klingt jetzt viellicht a klä komisch, wemma so hoaßt
well ma bi deam Namma natürli glei dänkt a »dumm«.

Aber äs sind si nit gsi, sie hond guat gluagt uf d’ Burg all,
und eigentli hätten sie jo ka boda rüabige Zita
uf der schöana Festung, wenn nit i-treata wär vo Fall zu Fall,
dass sie hond müassa mit da Nochbura stritta.

 Vor allem mit da Montforter, wo z’ Fealdkirch sind gsi,
mit ähna sind d’ Nüburger, an gwissa Schwicker und an Hugo,
nia wora froh,
und obwohl dea Fealdkircher Grof da Onkel vo eana ischt gsi,
hond si all blos gstritta, und sind mitanand sauschleacht usko.

Bsundrigs um 1362 isch-as zum na köriga Wirbel ko,
do heat da Grof Rudolf von Montfort z’ Fealdkirch dinna
sin oagana Neffe, da Hugo vo dr Nüburg, gfanga nia lo!
Uf dia Art ka ma natürle ka Freunde gwinna!

 Bald druf heat-ara zwor denn lo wieder lofa,
aber denn hond dia Tumb mit da Habsburger Kontakt ufgno
und am Rudolf am IV. d‘ Burg a-bota zum Kofa,
wenn er eana helfa töü und a klä tät zur Sita stoh. 

 Bald druf ischt da Schwicker, also der oa vo da Brüeder,
deana zwoa, gstorba, und denn – drum simm’r hüt do zemma ko -
heat da Hugo dia Burg - und natürle nit blos dia alloa -
da Habsburger a-bota, und ähne hond se glei gno.

 Am 8. April, ana 1363 isch-as denn so wit gsi,
do ischt d’ Nüburg und damit natürle Kobla
und menga Hof vo Gätzis o
um 3300 Pfund Konstanzer Münz – an kulanta Preis sei äs gsi –
zu Habsburg und damit also zu Österrich ko.

 Dass des a bsundrigs Jubiläum ischt, siaht wohl jed’s  i,
und drum sitzen mr hüt o alle beianander do:
D’ Kobler sind di erschta Öschterrichar gsi
i üserem Ländle – scho an Grund, zum do zemmako!

Und wia isch-as mit dr Burg denn witerganga?
Ebba vierzg Johr spöter sind d’ Appazealler ko
und hond mit ma-na bösa Belagerung a-gfanga,
und fascht hätt-as a schlimm’s End für üsere Festung gno.

 Aber zum Glück hond si domm uf dr Burg a Deanstmagd ka,
wo eana gset heat, wia ma ’s macha söll:
»Fuattaran di letscht Kuah, bis si numma freassa ma,
und denn wörfen da voll Maga über d’ Mur ahe is Gröll!« 

 So hond si ’s denn toa, und d’ Schwizer hond gseaha i:
»Wenn dia do domm no sövl zum Eassa hond,
dass sogär dia Kuah ka aso vollgfreassa si,
wer woaßt, wia lang mir denn do no warta mond.«

 Zum Glück für alle Nüburger sind si drum wieder ganga,
well, wenn si nit inegfalla wären uf dea guate Trick,
wär ’s der Burg sicher boda schleacht erganga,
und natürle o dr Besatzig hät ’s viellicht brocha ’s Gnick.

 Bi-nara Sage muaß ma bekanntli nit immer alls globa,
hi und do tond dia nämmle o a klä übertrieba.
Äs söll jeatz aber nit hoaßa, dass-as do z’ Kobla
früjer nit ka heat - und o hüt no heat - dera schlaue Wiber.

 Do wören si denn nocher scho gfierat ha uf ihrem Kastell
und trunka ha mengs Gläsle vom oagana Wi.
Vom oagana Wi? - So künnt ma froga a dera Stell,
jo, hond dia ebba an Wiberg ka, und wo ischt denn än gsi?

 Dia hond nit blos Reaba ka. Im Schutz vo da Mura
sind dia o bsundrig guat gwachsa, und es git da Vermerk
i alta Chronika, dass da Wi vo da Nüburger Truba
14 Täg früjer trunka wora sei as än vom Ardetzaberg. 

 Domols sind scho lang Pfandherra uf dr Burg gsi do,
Emser Grofa, und da Gätzner Jonas ischt o so oan gsi.
Um ähne Zit hond grad d’ Schweda Breagaz i-gno
und sind uffazoga  durs Land entlang am Rhi.

 Bi dr Nüburg hond si si nit müassa astrenga roß
zum si erobara, well döata sind i ena Johra
uf dr Festung gsi a paar Verteidiger bloß,
und so ischt si für kurze Zit schwedisch wora:

 Bald nochdeam, as dia Schweda denn sind wieder ganga,
heat d’ Nüburg meh und meh ihre Bedeutung verlora;
und bald druf, za Maria-Theresias Zita, ischas denn gsi,
dass ma all meh gset heat: »Brucht’s a so a Burg überhaupt no?

 Ma heat si denn usgrummt und blos no hi und do
a paar Spitzbuaba i-gspert i deana alta Mura,
und bald druf, uma 1767, isch-as so wit sogär ko,
dass ma si regelreacht abbrocha heat, und nit blos d’ Bura

 vo ringsum hond g’holat, was ma künna heat brucha,
Kästa und Tisch und uf dia Art mengs Breatt sowieso,
Kachelöfa und Balka und Bänk und Truha,
halt alls, was ma brucha heat künna, ischt untara Hammer ko.

 D’ Nüburg ischt zum-na regelreachta Stoabruch wora.
Ma ischt uffegfahra za da Mura mit da größta Wäga,
heat di schöansta Stöa ufglada ganz u-gschora
und heat mitgno, was der Karra heat künna träga.

 Wemma jetzt wissa möcht: Und wia heat sie früjer usgseaha?,
tuat am liechtesta, wemma amol duri uf Arbogast goht,
döat ischt d’ Nüburg nämle uf ma-na Votivbild zum Seaha
i dr Ussakapeall, döat wo davor da Stoa vom Arbogast stoht.

 A so a Kapealla heat’s früjer o gia  uf der Burg, uf der mächtiga,
und a Legende verzellt, da Kaiser Heinrich da Zweit,
sei uf na-ra Rom-Reis mit siem Gefolge, am prächtiga,
do zuakehrt, und schpötr hei ma d’ Kapealla eam g’weiht.

 Bis 1754 ischt da Kobler Pfarr jede Wucha amol
uf d’ Nüburg ganga zum Meassleasa do.
Und am 15. Juli ischt ma mit Krüz und Fahna all Johr
zum da Heinrichstag uf d’ Burg gi fiera ko.

 Übrigens, ’s Johr, wo dea Kaiser Heinrich
sine Romreis gmacht hei,
äs sei‘s 1014 gsi, und ma ka also no ganz gnau datiera,
wenn er domols uf dr Nüburg denn zuakehrt sei,
’s nöchst Johr komm’r also – wieder a Jubiläum –
da Tausender fiera.  

Vo der Sage mit der intelligenta Magd,
z’ Kobla hoaßt si »Imma«,
wo im Appazeallerkriag d’ Burg grettat hei mit ihrer guata Idee,
hommr scho ghört - egal, ob sie jetz mag stimma -,
aber a ghörige Burg heat natürle dera Sagen no meh:

 Übrigens: Menge Kobler denken o no hüt gern zruck,
wia sie vor jetz ebba 65 Johr mitanand
hond mit rund 50 Persona ufgführt ‘s Theaterstuck,
»Imma auf der Neuburg« - bekannt witum im Land!

 Vum na unterirdischa Gang heat ma o verzellt ganz gern,
wo bis zum Sattelberg umme ganga sei undaram Boda dunna,
aber wo ma d’ Autobah baut heat, heat ma hern und dern
im ganza Tal nüt as boda weicha Boda gfunda.

 Von ara Gätzneri heat ma o all verzellt, ähne hei
amol Holzspä und Seagmeahl gsammlat uf da Ruina domm,
und wo sie denn bald druf wieder hoam ko sei,
sei all’s Holz und ’s Meahl Gold gsi –
nicht schleacht für d’ Pension!

 Denn hei si am-na Fuhrma vo deara Sach verzellt,
und ähn hei natürle o vo deam Gold wella ha,
also sei er glei uffe uf d’ Burg zu deara Stell
mit siem Ross und mit’m größta Waga dra.

 Aber wia er zum Burgtor ko sei, ahnungslos,
do hei er zuafällig i d’ Höhe uffe gluagt no
und gseaha: Do hangat am na dünna Hörle blos
a Mühlrad über eam und fallt aha fascht scho.

 Do sei eam ’s Herz prompt g’ falla i d’ Hosa,
und ahi sei er, so schneall as er hei künna,
und drum sei an Goldschatz, an grandiosa,
no hüt uf der Burg, und er sei noch zum Gwinna.

 Ob äs ebba da Grund ischt, - i säg’s jetz offa -
dass i da letschta Johr sövl Lüt all rummen aweak
’s Efeu und ’s Gstrüpp, well sie ebba tond hoffa,
bi dera Gelegenheit käm da Schatz usm Dreack?

 Jetz simm’r a klä z’schneall i üsere Gegenwart ko,
gomm’r nochamol z’ruck i frühere Zita
um a paar Generationa, um ebba hundert Johr,
und luagan, wia’s domols denn ganga ischt witer.

 Zu äner Zit ischt ma gottlob wora denn gschieder
und heat i-gseaha, dass ma so a Burg sött erhalta.
Aber denn ischt eba da Wealtkrieg ko, und denn heat ma wieder
andere Sorga ka als dera Mura, dera alta.

 Bald druf heat ma denn a-gfanga, um äne Zit,
zum Erhalta, was domols noch zum Seaha ischt gsi.
914 Säck Zement heat ma brucht alloa für-a Bergfried,
aber richtig g’holfa ischt der Burg weagad äm no nit gsi

  An bsundaraga Termin ischt da 4. Juli 1970 gsi do,
domols heat ’s erscht FLINT-Festival stattgfunda,
und ebba 1000 junge Lüt sind uf d’ Nüburg ko,
gi Musig macha und fiera mitanand so menge Stunda.

 Und denn kut 1983, do heat Kobla beschlossa:
Dia Ruine, dia würd jetzt mit aller Kraft restauriert,
und i da nöchsta Johra heat ma denn u-verdrossa
gschaffat und natürle o viel Geald investiert.

 Und drum stoht d‘ Nüburg hüt o wieder so stolz do,
well si woaßt: »I ka mi o in Zukunft schöa präsentiera,
uf mi wörd guat gluagat i deam Kobla do,
und i fufzg Johr tomm’r denn da Siebahunderter fiera.«

 

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