In einer weiteren Schatzsage geht es um eine alte Frau aus Götzis, die in der Nähe der Neuburg Holz sammelte. Dort aber fand die Frau nur wenig Holz und ein Häufchen Sägspäne. Als sie am anderen Morgen mit den Sägspänen Feuer anmachen wollte, waren diese zu lauterem Gold geworden.
Die Sage kann sich bezüglich ihres Alters sicher nicht mit anderen Berichten von der Neuburg messen, sie erzählt nämlich ausdrücklich von einer Ruine. Inzwischen wurden in deren Umgebung offensichtlich schon Bäume gefällt, die erwähnten Sägespäne deuten jedenfalls darauf hin.
Dass Laub und Kohlen sich in Gold verwandeln können, war der Frau vielleicht bekannt. Warum also nicht auch Sägespäne? Irgendwie wird man dabei den Verdacht nicht los, als hätte die schlaue Götznerin schon insgeheim damit gerechnet, dass es mit dem Inhalt ihrer Schürze etwas Besonderes auf sich haben musste, sagte sie doch keinem, woher sie ihn hatte; Holz aus dem Bereich einer Burgruine schien doch etwas anderes als gewöhnliches Brennmaterial zu sein. Andererseits ging sie am nächsten Morgen in die Küche, in der festen Absicht, mit den Spänen Feuer anzumachen.
Oder hatte sie etwa vom Rat des großen Paracelsus gehört, der in ähnlichen Fällen riet, die Feuerprobe anzu-wenden, um Täuschungen der Geister zu erkennen? Als sich dann die Sägespäne in Gold verwandelt hatten, konnte sie die Sache mit dem Gold dann aber doch nicht für sich behalten und fing an zu plaudern, und so erfuhr es ein Fuhrmann.
Der hatte natürlich nichts anderes mehr im Sinn, als ebenfalls zu solchen Schätzen zu kommen. Den ganzen Tag über konnte er es kaum erwarten, bis es dunkel wurde. Er nahm aber keineswegs, wie man es jetzt erwarten könnte, einige Säcke mit, um ebenfalls Sägespäne zu sammeln, nein, er ging aufs Ganze! Mit Haue und Spaten machte er sich um Mitternacht auf den Weg, um den Schatz zu heben. Das war jedoch keine leichte Aufgabe, denn auf dem Schatz, hieß es, hocke eine scheußliche Kröte, die man vorher entfernen müsse. Wer ihm das gesagt hatte? Das wusste doch jedes Kind!
Unser Fuhrmann stieg also, sicher in freudiger Erwartung und entsprechend aufgeregt, den Burgweg hinauf, und weil er sich beim Schatzgraben auskannte, wartete er, bis es zwölf Uhr schlug. Wer heute auf dem alten Burgweg hinauf zu den Überresten der stolzen Feste wandert, kann sich das Folgende lebhaft vorstellen.
Durch die beiden äußeren Tore wird der Fuhrmann wohl noch ungeschoren gekommen sein, dann wird er den Weg über den Burghof genommen haben, hinauf zum nächsten Tor. Hier könnte es dann passiert sein.
Er war schon unter dem Schloßtor; wie er da von ungefähr in die Höhe schaute, sah er einen ungeheuren Mühlstein an einem Roßhaar hängen.
Unwillkürlich fühlt man sich an dieser Stelle an den bekannten Damokles der griechischen Sage erinnert, der Ähnliches unter einem scharf geschliffenen Schwert erleben musste, das ebenfalls an einem Pferdehaar hing und ihn bedrohte. Unserem Mann fiel das Herz in die Hose. Spaten und Haue warf er von sich, und mit weiten Sätzen hetzte er den Weg, den er gekommen war, wieder hinunter. Vonbun berichtet, der Fuhrmann habe später noch oft davon erzählt, wie fürchtig ihn die Krott angeschaut habe. Dabei hatte er noch nicht einmal begonnen zu graben. Nach der ältesten Version habe der Fuhrmann sich damals anschließend derart gefürchtet, dass er bei der Heimfahrt sein Pferd peitschte, als hab’ er an jenem Tag noch zum Teufel fahren wollen.