Bleibt schließlich noch eine letzte Sage zu erwähnen: die Geschichte von den verwünschten Schlossfräulein. Allem Anschein nach handelt es sich bei ihnen um zwei ehemalige Bewohnerinnen der Burg. Weswegen sie »verwünscht« waren und was ihr Vergehen war, erfahren wir nicht. Allzu schlimm kann es nicht gewesen sein, mag man sich denken, erschie­nen sie doch stets nur auf einige Stunden und immer im Abstand einiger Jahre; andererseits, wenn man bedenkt, dass es frühere Bewohnerinnen des Schlosses waren und in der Sage von einer Ruine  gesprochen  wird,  scheint  ihre  Strafe  doch  schon eine gute Zeit ge­dauert zu haben.

 Auf  einem  Stein  der zerfallenen  Burg  mußten  sie geisten, bis einmal jemand komme und ihnen unauf­gefordert von den Blumen abkaufe, die sie in Bündeln in den Händen hielten.

Das Abkaufen von Blumen ist ein Motiv, das in anderen Sagen kaum einmal vorkommt. Was auch sollten die beiden Schlossfräulein mit dem Erlös an­fangen? Eine alte Schuld begleichen?

Da kamen eines Tages zwei Grenzer ganz zufällig des Weges, sahen die beiden und wie sie mit flehen­den Blicken auf einem Stein saßen. Offensichtlich verstanden die beiden Männer, was von ihnen erwartet wurde, sie kauften den  Fräulein  die  Blumen  jedenfalls  ab.  Kaum  war dies geschehen, so dankten diese für ihre Erlösung. Dann verschwan­den sie, und seither konnte niemand mehr die Fräulein sehen. Die Blumen aber waren frisch, als hätte man sie eben im Garten gepflückt.

Verglichen mit vielen anderen Sagen, war die »Erlösung« eigentlich recht einfach gewesen. Wenn man bedenkt, wie andernorts gefährliche Schlangen und beiß-lustige Hunde mit entsprechend viel Schlägen verjagt werden mussten! Gar nicht zu reden von den kussver-sessenen Kröten! In solchen Fällen winkten dann auch allerdings meistens entsprechend große Schätze und nicht nur Blumensträuße, mögen sie auch noch so frisch gewe-sen sein.