Aus der Zeit des Appenzellerkriegs wird von der Neuburg eine weitere Sage erzählt, in der die Feste ebenfalls nicht zerstört wird, wohl aber die Ritter ver­jagt werden. Damals hätten sich alle Adeligen zu­sammengetan und ausgemacht, sie wollten einander, sobald der Feind hereinbräche, von einem Schloss zum andern ein Zeichen zur Landrettung geben. Sogar von »Redehörnern« ist zu lesen, mit denen hätten sie von einer Burg zur anderen rufen können. Doch es habe ihnen nichts genützt, denn die Bauern seien zum Feind gestanden.

Feudale Willkür und Ungerechtigkeit scheinen um diese Zeit tatsächlich jedes Maß überschritten zu ha­ben, und die Sage weiß von schlimmen Dingen zu er­zählen: Da muss das Volk seinen Zwingherren unter härtester Fron die Burgen bauen, und Unschuldige liegen in dunklen Verliesen und Hungertürmen. Wenn es den Rittern gefällt, schießen sie zum Vergnügen auf die Bauern, die auf den Feldern arbeiten, und lassen sich mit Schlitten durchs mahdreife Gras der Bauern­güter fahren. An einem Tage seien deshalb auf allen Schlössern die Herren ermordet worden. Die von der Neuburg allein hätten es geschafft, mit einer List zu entrinnen.

Ehe sie geflüchtet seien, hätten sie nämlich ihren Rossen die Hufeisen verkehrt aufgenagelt. Das habe über ihre Spur getäuscht.