Was eine Burg mir hat erzählt –
Schloß Neuburg
von Karl A .Gächter
Du kennst im Tal des Rheines,
in einer Flucht am Kummaberg,
die Reste eines Ritterhelmes,
einst, stolz, die Neuburg.
Bin schon als Knabe d0rt gesessen
und stürmte über alle Mauern.
wie oft hab‘ ich die Zeit vergessen
und ging spät heim mit Bauern.
Hier gab’s kein Soll und Müssen,
die Sonne war mein Tischgebet.
Unter mir und meinen Füßen
lebt der Boden geschichtsumweht.
Schon in neblig fernen Zeiten,
als man aus Erz und Steinen
sich tat die Waffen zubereiten,
lebten Menschen hier in Hainen.
Auch die römischen Legionäre,
schürten fest die Lagerfeuer.
Standen Wacht für Romas Ehre
um eine Münze, rar und teuer.
Dann nahm die Zeit auch andren Lauf,
die Franken schufen sich ein Reich.
Sie zogen dann zur Neuburg auf
und gingen nicht sogleich.
Und alsbald sprach man überall
im Tal dieselbe Sprache.
Die Neuburg ward zur Ritterhall
und hielt im Tal die Wache.
Es blühte Leben in dem Schloß,
die Recken hielten Großturney,
drunten bei Gesind und Troß,
strömt das Volk zum Tanz herbei.
Es hat im hohen Rittersaale,
wohl manche Harf‘ geklungen.
Es wurd‘ bei Fest und Mahle
die Minne oft besungen.
Es blies vom Bergfried der Hornist gar oft zu Krieg und Sturm.
Doch keinem Feind gelungen ist
die Überab‘ von Burg und Turm.
Die letzten Ritter sind gestorben
und ruhen nun auf Schild und Speer.
Die Mauern hat die Zeit verdorben.
Die Burg bleibt kalt und leer.
