Herbstzeit
Späte Zeit.
Ein grauer Schleier lieget weit,
bedeckt des Herbstes buntes Bild
mit einem Schild.
Gedämpft ist mein Gang.
Ich geh am Waldessaum entlang.
Es triefen Ast und Strauch.
Mir ist’s, sie weinen auch.
Vor mir die alte Mauer –
kaum hab ich sie bemerkt – in Trauer,
aber trutzig steht sie da,
sie, die bessere Zeiten sah.
Ihr Ruhm ist verblasst,
verschwunden längst des Tages Hast.
Kein Ritter zieht mehr durch das Tor,
obwohl daran kein Riegel vor.
Sinnend geht mein Blick
in meine Jugendzeit zurück,
als ich, noch Rittersmann,
um frische Fährte rang.
Da tritt sie vor.
Ein edles Fräulein kommt durchs Tor,
hält hin mir ihre zarte Hand,
die liebend gleich die meine Fand.
Wie ist sie warm und weich,
meine Seele plötzlich reich.
Die Augen öffnend ich jetzt fand,
dass Sie wirklich vor mir stand.
Wir gingen durch das alt Gemäuer,
was billig vor, das schien mir teuer.
Der Nebel lüftete den Schild.
Da lag des Herbstes buntes Bild.
Seit jenem wundersamen Tag
das alte Mauerwerk ich trag
wie ein Kleinod fest in mir,
mit dem lieben Bild von ihr.
FJH
