Text: Franz Josef Huber, Gemeindebuch Koblach 1995
1164 entzündet sich im herrschenden Spannungsfeld eine Fehde zwischen den Welfen und den Tübingern. Die Ursache ist unbedeutend, die Folgen unverständlich hart.
Hugo von Tübingen fängt drei Straßenräuber; zwei sind seine eigenen Leute, die er wieder laufen lässt, den dritten, der den Welfen zugehörig ist, lässt er hängen. Aus Wut sammelt Herzog Welf VII. Bundesgenossen, zieht vor die Burg in Tübingen und belagert sie. Hugo, unterstützt vom Schwabenherzog Friedrich IV., macht einen unerwarteten Ausfall und jagt den Welfen, der nur noch mit Mühe nach Hause entkommt.
Vater Herzog Welf VI., von Italien herbeigeeilt, verwüstet nach erneuter Aufrüstung die Besitzungen des Tübingers. Wieder jagt der Tübinger mit seinem Herzog und den durch diesen zur Unterstützung herbeigerufenen ,,bei Gott und Menschen verhassten Böhmen“ die Angreifer. Die Welfen werden vertrieben und in der Nähe ihrer Residenz Ravensburg so gründlich geschlagen, dass sie sich nur mit Mühe hinter ihre Mauern retten können. [1]
Jetzt greift Kaiser Barbarossa ein. Er benötigt Truppen für seinen geplanten Italienfeldzug. Dazu braucht er alle verfügbaren Kräfte und kann daher ein gegenseitiges Zerfleischen seiner Untertanen im eigenen Lande nicht dulden.
Auf dem Reichstag zu Ulm im März 1166 soll sein Machtwort die ,,Tübingisch-Welfische Fehde“ beenden. Hugo von Tübingen wird unter Androhung der Reichsacht vor die Wahl gestellt, entweder außer Landes zu gehen oder vor dem jungen Welfen einen Kniefall zu machen. [2] Hugo entscheidet sich für das letztere. Welf VII. nimmt ihn gefangen und sperrt ihn auf der Neuburg bei Koblach ein. [3]
Zu jener Zeit war die Neuburg, wie die Schenkungsurkunde der Welfen von 1152, der Chronik-Bericht des Mönchen Otto von St. Blasien und jener eines unbekannten Verfassers der Welfenchronik im Kloster Weingarten über die tübingisch-welfische Fehde darlegen, fest in Welfenhand. [4] Wie und wann der Übergang des Lehens Neuburg aus dem Herrschaftsbereich der Udalrichinger an die Welfen erfolgte, geben die bis jetzt bekannten Urkunden und Aufzeichnungen nicht preis.
Nun zieht der Kaiser nach Rom, der schwäbische Adel mit ihm, auch die Vertreter der bisher verfeindeten Geschlechter. Nach gewonnener Schlacht bricht 1167 in seinem Heer eine Seuche aus und fordert einen hohen Zoll. Unter den Toten befinden sich Berthold von Pfullendorf, Herzog Welf VII. und Herzog Friedrich IV. von Schwaben.
Jetzt haben die Pfullendorfer und die Welfen keine männlichen Erben mehr. Damit entsteht im Bodenseeraum, in unserem Lande und auf der Neuburg eine völlig neue Lage. Hugo von Tübingen wird 1167 nach 18 Monaten Haft freigelassen, findet mit seinen Verwandten und Miterben und mit dem Kaiser einen tragbaren Vergleich und wird Graf von Bregenz. [5] Große Teile des Bregenzer Erbes seiner Gemahlin Elisabeth fließen ihm zu. Ausgeklammert bleibt unter anderem die kleine, aber verkehrstechnisch äußerst wichtige Herrschaft Neuburg.
Die Neuburg kommt durch ein Besitzvermächtnis Welfs VI. noch zu seinen Lebzeiten an Kaiser Barbarossa. Dieser vertraut sie als Reichslehen den Rittern Tumb, der jüngeren Linie von Neuburg, an. Damit bleibt die Neuburg mit ihrem kleinen Herrschaftsbereich für alle Zeiten den Nachkommen des Tübingers in unserem Lande, den Grafen von Montfort, ein unerreichbares, störendes Streitobjekt inmitten ihres sonst gut geschlossenen Machtbereiches. [6]
[1] Schmid, Ludwig: Geschichte der Pfalzgrafen von Tübingen, Tübingen 1853, Beschreibung der tübingisch-welfischen Fehde, S. 77-94.
Zösmair, Josef: Die Neuburg und Geschichte der Ritter Thumb von Neuburg in Vorarlberg bis zum Verkauf ihrer Herrschaft an Österreich 1363, in: 19. Rechenschafts-Bericht des Ausschusses des Vorarlberger Museums-Vereins in Bregenz über den Vereinsjahrgang 1879, Bregenz, S.14/7-15/1.
[2] Bilgeri, wie Anm. 2, S. 317, Anm. 17.
[3] Helbock, Anmerkung 3, S. 22/4. Schmid, Anmerkung 4, S. 77-94. Zösmair, Anmerkung 4, .15/2.
[4] Zösmair, Anmerkung 4, S.15/4-16/1.
[5] Bilgeri, wie Anm. 2, S.138/4. Schmid, Anmerkung 4, S. 101/Anm. 3. Weizenegger, Franz Josef: Vorarlberg, aus dem Nachlaß bearbeitet und herausgegeben von Meinrad Merkle, Innsbruck 1839, (Nachdruck 1989), Bd. 3, S.105.
[6] Bergmann, Josef: Urkunden der vier vorarlbergischen Herrschaften und der Grafen von Montfort, in: Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen, Heft 3, 1848, S. 58/3.
