Die mächtige Position, die der reichsritterliche Adel – die Neuburger, Schellenberger und Emser – auch nach dem Untergang der Staufer auf Vorarlberger Boden, besonders in strategisch wichtiger Lage im Rheintal, einnahm, war den durch mehrere Erbteilungen geschwächten Grafen von Montfort und von Werdenberg, die verfassungsrechtlich auf derselben landesherrlichen Ebene standen wie ihre niederadeligen Konkurrenten, ein Dorn im Auge. Die Besitzungen der Tumb von Neuburg beschränkten den Aktionsradius der Grafen aus der Linie Montfort-Feldkirch ganz erheblich. Der Riegel von Koblach und Götzis schnürte ihren Herrschaftsbereich von Norden her ein, und selbst in der unmittelbaren Umgebung der montfortischen Stadt Feldkirch waren die Neuburger begütert: Sie besaßen dort den Burgstall Blasenberg, Einkünfte aus Gallmist, zinspflichtige Hofstätten in Illbrugg (Feldkirch-Heiligkreuz) sowie das Patronat über die Kirche in Tisis. Südlich der Stadt am Eschnerberg saßen die Schellenberger.
Im Frühjahr des Jahres 1311 entschlossen sich daher Graf Rudolf III. von Montfort-Feldkirch, er war Geistlicher, Graf Hugo von Montfort-Bregenz und Graf Hugo von Werdenberg zu einem militärischen Schlag gegen ihre reichsritterlichen Widersacher. Sie belagerten die Neuburg und gingen gegen den Besitz der Tumb in St. Gerold vor, wobei auch die Propstei verwüstet oder gar zerstört wurde.*3  Die Tumb von Neuburg und mit ihnen wohl auch die Schellenberger erlitten eine schwere Niederlage gegen die montfortisch-werdenbergische Koalition, die damals zu ihrer Unterstützung die Walser als Wehrkolonisten in den gebirgigen Landesteilen ansiedelte,*4   Die Tumb verloren vor allem die Landstraße, die von der Neuburg nach Götzis verlegt wurde, mit dem finanziell interessanten Warenniederlagsrecht, auch die Burg Neumontfort bei Götzis entstand auf Neuburger Boden. *5  Andere Rechte, wie das Patronat über die Kirche Tisis, gingen gleichfalls nach und nach verloren. *6

*3 Vgl. Benedikt Bilgeri, Geschichte Vorarlbergs. Bd. 2. Wien, Köln, Graz 1974, S. 22ff.
*4 Karl Heinz Burmeister, Geschichte Vorarlbergs. 3. Aufi. Wien 1989, S. SOff.
*5 Vgl. Benedikt Bilgeri, Geschichte Vorarlbergs. Bd. 2. Wien, Köln, Graz 1974, S. 23ff.
*6 Vgl. Alois Niederstätter, Die Anfänge der Pfarre Tisis bis zur Übertragung an die Johanniter im Jahre 1315. ln: Tisis. Dorf und Kirchengeschichte.