Im Laufe der Jahre wurden die Folgen der Niederlage von 1311, die allerdings unvergessen blieb, nach und nach überwunden. Die gesellschaftliche Rolle der Tumb von Neuburg entsprach ihrer politischen Stellung. Sie standen in Heiratsbeziehungen mit den hochadeligen Grafen von Montfort und gelangten in den Pfandbesitz eines Teiles der Herrschaft Feldkirch, darunter in den der Feste Neumontfort. *7
Nach der Mitte des 14. Jahrhunderts stellten sie sich jedoch in einem Streit zwischen den Grafen von Werdenberg und den Feldkircher Montfortern auf die Seite ersterer und begaben sich in den ausdrücklichen Schutz des Reiches, damals repräsentiert durch Kaiser Karl lV.
Als Hugo Tumb von Neuburg im Winter 1362 unvorsichtigerweise nach Feldkirch kam, ließ ihn Graf Rudolf von Montfort, trotz naher Verwandtschaft – Rudolf war Hugos Onkel – und des kaiserlichen Schutzes, den Hugo genoß, im Haus eines Feldkircher Bürgers überfallen und inhaftieren. Anschließend zog der Graf vor die den Neuburgern verpfändete Neumontfort, die sich ergeben mußte. Zwar einigten sich Rudolf von Montfort und Hugo von Neuburg alsbald, woraufhin Hugo freikam. Er und sein Bruder Schwicker waren jedoch einerseits tief gekränkt und fühlten sich andererseits weiteren Auseinandersetzungen dieser Art nicht mehr gewachsen. So entschlossen sie sich zum Verkauf ihrer Herrschaft, und zwar an die Herzöge von Österreich.
Dieser Schritt war keineswegs ungewöhnlich. Seit 1337 bestand der richtungweisende ,,ewige Bund“ zwischen Montfort-Feldkirch und den Habsburgern, 1354 heiratete Graf Wilhelm von Montfort Bregenz in das habsburgische Umfeld ein und schloß 1362 einen militärischen Dienstvertrag mit Österreich, aber auch die Bischöfe von Konstanz und Chur sowie die Stadt Zürich waren mit den habsburgischen Herzögen verbündet.*8  Die Region südlich des Bodensees war also bereits habsburgischer Einflußbereich. Zu Beginn des Jahres 1363 gelang Herzog Rudolf IV. der Erwerb der Grafschaft Tirol. So paßte die Absicht der Neuburger hervorragend in die politische Konzeption Rudolfs, dem es einerseits um die Sicherung der von den Eidgenossen bedrohten habsburgischen Stammlande und andererseits um die Schaffung eines starken Territorialkomplexes im Alpenraum, der alle wichtigen Nord-Südverkehrswege kontrollierte, ging.

Graf Rudolf der III. von Montfort Feldkirch begab er sich in die Arme des Hauses Habsburg. Er bat Herzog Rudolf von Habsburg, ihn und seine Söhne Ulrich, Rudolf und Hugo zu ewigen Mannern und Dienern aufzunehmen. Diese Bitte genehmigte Herzog Rudolf.
Demgegenüber suchten die Grafen von Werdenberg und die Ritter Thumb von Neuburg Schutz bei Kaiser Karl IV.. Dieser nahm von Prag aus am 19. August 1361 .die Edlen Schwicker und Hugo, die Thumben zu Neuenburg „wegen treuen und nützlichen Dienste, die si ihm und dem hl. Reiche oft und unverdrossen gethan haben und künftighin noch thun mögen“ mit ihrem ganzen Besitze in seinen und des Reiches Schirm. *9

Im November 1362 traf Schwicker Thumb von Neuburg Johann von Platzheim in Bregenz und gelobte am 28. November 1362 für sich und seine Erben:  „Dem hochgeborenen Fürsten Herzog Rudolf von Österreich, dessen Brüdern und Amtsleuten mit seiner Feste Neuburg und seinen Leuten und Gütern persönlich Zeit seines Lebens gegen jedermann dienen zu wollen. Seine Erben und Nachkommen sollten derselben Herrschaft noch sieben weitere Jahre darauf dasselbe zu thun verpflichtet sein. Würde er die Absicht haben, die Feste Neuburg mit Zubehör zu verkaufen, so verspreche er, dies dem Hause Österreich wissen zu thun, und wenn ihm dieses dafür soviel gebe, wie andere Leute, ihm dieselbe zu überlassen. Es wurde ein Schiedsgericht vereinbart für den Fall, dass man sich nicht über den Preis einigen konnte. „Sollte Schwicker Thumb diese getroffene Vereinbarung nicht einhalten, so hätte Neuburg mit allem, was dazu gehört an das Haus Habsburg zu fallen. Österreich verpflichtete sich dagegen, Schwicker Thumb in seiner Gnade und seinen Schirm aufzunehmen und ihn so zu halten wie andere seiner Diener. “ *10
Schwicker Thumb wollte also allen Ernstes seinen Besitz über kurz oder lang an das Haus Habsburg zu veräußern. Allerding starb Schwicker Thumb vor dem 7. April 1363 und hinterließ mehrere Söhne in jugendlichem Alter, für welche sein Bruder Hugo die Vormundschaft übernahm.

Hugo Thumb erschien im April 1363 zu Baden im Aargau vor dem österreichischen Statthalter und gelobte zuerst am 7. d.M. dem Herzog Rudolf IV. und dessen Brüdern zehn Jahre lang mit seinen Leuten und Festen Wälsch-Ramschwag und Mammertshofen, einem Lehen von der Abtei St. Gallen zu dienen.*11

Die Verkaufsurkunde über die Feste Neuburg und den weit überwiegenden Teil der Vorarlberger Besitzungen der Tumb wurde am 8. April 1363 in der aargauischen Stadt Baden, dem habsburgischen Verwaltungsmittelpunkt für den westlichen Territorialkomplex, ausgestellt. Hugo Tumb von Neuburg und seine Neffen Hans, Frick und Heinrich – Hugos Bruder Schwicker war inzwischen verstorben – übergaben mittels dieses Rechtsaktes den Herzögen Rudolf, Albrecht und Leopold von Österreich die Feste Neuburg mit allem Zubehör um die Summe von 3.300 Pfund Konstanzer Münze. *12
Mit dem Kauf der Herrschaft Neuburg faßte das Haus Österreich erstmals als Territorialherr auf heutigem Vorarlberger Boden Fuß,die Einigung des Landes wurde dadurch ohne Zweifel beschleunigt. Für Koblach und die Neuburg dagegen endete damit allerdings diebedeutendste Epoche ihrer Geschichte als reichsfreie Herrschaft.
Die Tumb von Neuburg verließen alsbald das Land, Hugo wurde habsburgischer Vogt zu Kyburg, später waren Linien des Geschlechtes am Hochrhein und am Neckar ansässig. Angehörige der Familie erlangten das Erbmarschallamt von Württemberg. Bis ins 15. und frühe 16. Jahrhundert sind allerdings auch noch Verbindungen zu Vorarlberg und sogar Besitz in der Herrschaft Neuburg feststellbar*13

Die schriftlich niedergelegten Abmachungen über den Verkauf bieten eine Vielzahl von Informationen über die Herrschaft Neuburg, ihr Zubehör und ihre Bewohner.

*7 Josef Zösmair, wie *2
*8 Burmeister wie *4
*9 Zösmair  S 45, Anm 1 Original i Hausrachiv der Freiherren von Thumb Unterboihingen
*10 Zösmair S 46, Anm 1 Original im Statthalter Archiv Innsbruck
*11 Zösmair, Anm. 1 Lichnowsy, Geschichte des Hauses Habsburg IV. Regest Nr. 456*12 Andreas Ulmer, Burgen und Edelsitze Vorarlbergs und Liechtensteins. Dornbirn 1978 ,
*12 Urkunde im Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien sub dato 8. April 1363, Foto im Vorarlberger Landesarchiv Bregenz. Ediert von Joseph Bergmann, Urkunden der vier vorarlbergischen Herrschaften und der Grafen von Montfort. Wien 1848
*13 Andreas Ulmer, Burgen und Edelsitze Vorarlbergs und Liechtensteins. Dornbirn 1978