Den Auseinandersetzungen lagen jahrzehntelange Misshelligkeiten zwischen den Appenzellern und ihrem Herrn, dem Abt des Benediktinerstiftes St. Gallen, zugrunde. Die Appenzeller gehörten in individuell verschiedener Intensität als Leibeigene, Halbfreie, zum Teil auch als Freie zur Herrschaft der Abtei St. Gallen, sie waren deren Untertanen. Im Gefolge der Pestepidemien in der Mitte des 14. Jahrhunderts waren weite Teile Europas und damit auch die nachmalige Schweiz durch den Bevölkerungsrückgang von einer landwirtschaftlichen Krise betroffen, deren Auswirkungen sich für die Bauern als überwiegend positiv erwiesen, für die Grundherrschaften durch einen Rückgang der primär personenbezogenen Einkünfte aber als durchwegs negativ. Dieser Entwicklung suchten sie allenthalben entgegenzuwirken.
Zunächst also handelte es sich – was für unser Thema von Bedeutung ist – um lokale Missstimmigkeiten zwischen einem geistlichen Territorialherrn und einem Teil seiner bäuerlichen Untertanen sowie auch zwischen dem Abt und der sich von ihrem Stadtherrn emanzipierende und auf Veränderungen in diesem Verhältnis sehr sensibel reagierende Stadt St. Gallen.

Zu einer Eskalation des Konflikts kam es nach der Wende zum 15. Jahrhundert. Am 17. Januar 1401 schlossen die Gemeinden der Länder Appenzell, Hundwil, Urnäsch, Trogen, Teufen, Speicher und Gais mit der Stadt St. Gallen ein Bündnis zum gegenseitigen Schutz ihrer – vorgeblich – alten Rechte: 1. des freien Zugs, 2. der freien Heirat sowie 3. hinsichtlich der Vererb- und Veräußerbarkeit der stiftischen Lehen. Außerdem sollte jede Statusveränderung der Appenzeller Länder durch den Abt verhindert werden. In der Bauernschaft selbst wurden die für solche Unruhen üblichen Forderungen nach freier Jagd und Fischerei gestellt. Nach außen proklamierter Konfliktgrund waren also Fragen der Liegenschaftsnutzung, des Erbrechtes sowie der persönlichen Freizügigkeit.
Nachdem am 14. Juli 1402 der Abt von St. Gallen sein Bündnis mit Österreich erneuert hatte, kam es neuerlich zu Gewalttätigkeiten. Die mit den Appenzellern verbündete Stadt St. Gallen entschloss sich, dem Abt abzusagen, ihm den Krieg zu erklären. Spätestens zu diesem Zeitpunkt erfolgte eine Kontaktaufnahme zwischen Appenzell und Schwyz, die in den ersten Monaten des Jahres 1403 zum Eintritt der Appenzeller ins Schwyzer Landrecht führte.
Als die Appenzeller ihre Aktionen gegen die äbtische Herrschaft fortsetzten, schritt der Bund der Bodenseestädte unter der Führung von Konstanz sowie unter Mitwirkung der zuvor mit Appenzell verbündeten Stadt St. Gallen militärisch gegen die von Schwyzern und Glarnern verstärkten Appenzeller ein und erlitt prompt in der Schlacht an der Vögelinsegg eine empfindliche Niederlage. Die Städte zogen sich aus dem Konflikt zurück, woraufhin jegliche Friedensordnung zusammenbrach.

1405 bot Herzog Friedrich IV. von Österreich eine bedeutende Streitmacht auf, um die habsburgischen Rechte zu wahren sowie seinen Bündnisverpflichtungen gegenüber dem Abt von St. Gallen nachzukommen. Als die Appenzellern daraufhin ins Rheintal vorstießen und das österreichische Altstätten belagerten, teilte Friedrich seine Streitmacht. Die zahlenmäßig stärkere Abteilung wandte sich gegen die Stadt St. Gallen, die neuerlich die Fronten gewechselt hatte und nun wieder auf der Seite der Appenzeller stand. Der andere Teil des Heeres zog ins Rheintal, um Altstätten zu entsetzen und dann über den Stoß ins Kernland des Gegners vorzudringen. Die Belagerer zogen sich beim Herannahen der österreichischen Abteilung zurück. Am 17. Juni 1405 setzte sich die habsburgische Streitmacht in Bewegung, um nach Gais zu gelangen. In der Letze am Stoß wurde sie nach einem beschwerlichen Anstieg bei ungünstiger Witterung von den Appenzellern angegriffen und schwer geschlagen.

Das Rheintal, ja ganz Vorarlberg stand den Appenzellern und ihren Verbündeten jetzt offen. Noch im Juni 1405 traten Altstätten, Berneck und Marbach in ein Vertragsverhältnis mit Appenzell und St. Gallen, wobei es sich de facto um einen Untertaneneid dieser Gemeinden handelte. Nach und nach schlossen sich weite Teile Vorarlbergs – teils freiwillig, teils unter massivem Druck – diesem Bündnissystem an, das als „Bund ob dem See“ in die Geschichte eingegangen ist. Im Herbst 1405 eroberten die Appenzeller die mittlere March (Wägital, Lachen, Galgenen) und zwangen die Bewohner zur Huldigung. Anschließend schenkten sie das Gebiet den Schwyzern. Es folgten Vorstöße in den Thurgau, ins Allgäu und schließlich sogar eine Aktion gegen Tiroler Gebiet, wobei das bündische Heer bis Imst vordrang. Im Juli 1407 ergaben sich Burgen der Ritter von Ems nach achtwöchiger Belagerung. Widerstand leistete nur mehr die von den Appenzellern belagerte Stadt Bregenz.

Höhepunkt und Untergang des Bundes ob dem See lagen zeitlich nahe beieinander: Mit dem in der Gesellschaft mit St. Jörgenschild vereinigten schwäbischen Adel, den Bodenseestädten und dem wieder auf den Plan tretenden Haus Österreich erwuchs ihm ein starker Gegner, so dass bereits die an sich nicht kriegsentscheidende Niederlage, die das Bundesaufgebot am 13. Januar 1408 vor Bregenz erlitten, den Zusammenbruch bewirkte. Kurz zuvor hatte sich bereits der Rückzug der Schwyzer angekündigt. Der unter Vermittlung König Ruprechts am 4. April 1408 in Konstanz geschlossene Frieden löste den Bund ob dem See auf.

Quelle: Alois Niederstätter „Die Appenzellerkriege“ in Verba volant, Onlinebeiträge des Vorarlberger Landesarchivs  Die „Appenzellerkriege. Bemerkungen zur Einschätzung eines Konflikt

 

König Ruprecht entscheidet 1408 zwischen dem Bund ob dem See und seinen adeligen Gegnern .
König Ruprecht entscheidet 1408 zwischen dem Bund ob dem See und seinen adeligen Gegnern .