Feldkirch, 16. Oktober 1405
Der Bund ob dem See schliesst mit Graf Hugo von Montfort-Bregenz Frieden betreffend die Burg Neuburg.
Quelle: CHARTULARIUM SANGALLENSE
Band XIII,(1405–1411)
Bearbeitet von Otto P. Clavadetscher und Stefan Sonderegger
Herausgeber- und Verlagsgemeinschaft Chartularium Sangallense (Historischer Verein des Kantons St. Gallen, Staatsarchiv, Stadtarchiv, Stifts Archiv St. Gallen), St. Gallen 2017
Wyr diß nachbenembten aydgnossen der burgermaister der rath und all burger gemeinlich der stat sant Gallen, der aman und all landtleuth gemeinlich zu Appenzel 1 [1], der aman der rath und all burger gemeinlich zu Veldkirch [2], die haubtleuth und all burger und landtleuth gemeinlich in dem Walgew [3], zu Bludentz [4] und in Montafon [5], der aman und all landtleuth gemeinlich, die unter die panner gen Ranckhwil [6] gehörent, indernt und außert der cluß zu Götzis [7] und anderstwo, die haubtleuth und all burger und landtleuth gemeinlich in dem Reintal, zu Reinegg [8], zu Altstäten [9], zu Marpach [10], zu Bernang [11], zu Balga [12], zu Lustnaw [13] und Krießeren [14], der aman und all landtleuth gemeinlich an dem Eschnerberg [15] und die enthalb Reihns [16] Sax [17] halb zu in gehören, zu Gambs [18] und anderstwo und darzu die leuth all gemeinlich zu Fußach [19] und Höchst [20] bekhennent und thuen khundt aller mänigclich mit dem gegenwertigen offnen brieff, daß wir mit dem edlen wohlgebohrnen herrn graffen Hugen von Montfort herr zu Bregentz [21] und mit allen seinen erben helfferen dieneren und den seinen von der vesty wegen Neuburg [22], alß hinnach beschriben wirt, ainen guten getrewen frid aufgenommen habent und auch den vestiglich und getreulich halten wollent für unnsserall unnsseraydgnossen diener helffer und die vnnßeren, sie seyent benemmbt ald vnbenemmbt, die ietz zu unß gehörent und nach fürbas zu unß gehören werdent, also daß wir gemeinlich nach sonderlich mit demselben graffen Hugen von Montfort nach mit nin kommen [23] seinen erben dieneren helfferen nach den seinen wider nach gegen der vorgenanten vesty Neuburg in argwohn nach in vnfründtschafft nichts überall zu schaffend haben sollent nach enwollent nach ihnen überal nichts wern sollend, in die selbe vesty nach darauf zu führen zu tragen zu reitten zu werbent nach zue wandlent nach ihr notthurfft ungefährlich von dem tag hin, alß der brieff geben ist, daß nächsten künfftigen jahr gantz auß, mit nammen auff dem nächsten sant Gallen tag, der dan würt, und den selben tag allen unß [24] zu nacht ungefährlich, auch mit solicher bescheidenheit, daß denselben egenant graff Hugen von Montfort alle die leuth, die er vormahls zu derselben seiner vesty Neuburg ingehabt und genossen hat, die darzu gehörent und zu unß vorgenanten aydgnossen gehuldet und geschworen habent, zinß und steur geben sollent in aller der weiße und maaß, alß sie die im uns her [25] geben habent, und nit mehr ungefährlich, dieweil der frid weret. Sie sollen im auch alle dieselben weil gewohnlich tag dienst zu der vesty thun, alß sie im die vor gethan habent, auch sollen sie im in ander seinen güthern, die zu der vesty gehörent, es seyend weingärthen ald andere güther, kein irrung thun und ihm sein zinß und steuren bescheidentlich dauon lassen volgen, dieweil der frid werent, ungefahrlich. Es ist auch beredt umb alle die leuth, die zu Neuburg gehorent, die zu unß vorgenanten aydgnossen nit geschworen habent, daß wir im die den frid auß gäntzlich unbekumbt bleiben lassen sollent, und daß wir sie entzwüschent nit fürbaß drengen nach nöthen sollent. Wär auch, daß im doch einer ainer oder mehr, die zu Neuburg gehörent, nit gehorsamb sein wollent mit zinssen steuren diensten, alß vor geschriben stät, so ist beredt, wär ob er ald sein vogt an seiner stat die selben ungehorsammen darumb nöthen wurdent, daß wir vorgenanten aydgnossen nach niemandt anders von unnsseren wegen deß nichts wider sie annemmen sollent. Er hat auch im selber hierin nammblich behalten und gedinget, ob es geschäch, daß die herrschafft von Osterreich oder ihr landtvogt gewalt von ihro wegen täting oder berichtung tätent und aufnämmen, daß er in derselben täting und berichtung mit der obbenanten seiner vesty leuthen und güthern, so darzu gehörend, auch sein sol und wil. Darnach ist auch beredt, wär ob er ald sein diener helffer ald die seinen ab ald auß der selben seiner vesty Neuburg unß ald den unnsseren in dem frid einfal oder beschwärnus tätent, die den frid anrürtent und darwider wärent, darumb mügent wir vorgenanten aydgnossen in ald seinen vogt oder ambtman zu Bregentz [26] zu tagen manen gen Veldkirch in die stat. Dahin sol er selb ald die ietz gedachten sein verwesser vogt oder ambtleuth zu Bregentz in den nächsten vierzechen tagen nach der manung unuerzüglich kommen, und sollen wir ainen gemainen man auß dem rath daselbs zu Veldkirch nemmen und zwen schidman von unnssern thail zu dem setzen und sie ihre tails auch zwen, und waß dan die selben fünff man gemainlich alß [27] der merntheil unter ihnen nach unsser bender theil redt und wider redt zu dem rechten erkhennet und sprechend, dabey sol es bleiben ungefahrlich. Zu gleicher weiß ist auch beredt, wär ob wir vorbemelter aydgnossen unsser diener helffer ald die unssern den obgenanten graff Hugen seinen dienern helffer ald den seinen zu Neuburg beschwärent und im fäl [28] tätent, daß in ald seinen vogt oder ambtman zu Bregentz düchtiy, daß es den frid rürte, so sollend er ald die selben sein verwesser vogt oder ambtman an seiner stat unß darumb tagen manen gen Bregentz in die stat. Dahin sollend wir den mit unnsseren potten nach unnsers bundts ordnung und gewohnheit inwendig den nächsten vierzechen tagen nach der manung unuerzogentlich kommen, und sollent sie ain gemainen man auß dem rath dasselbst zu Bregentz nemmen und ihres theils auch zwen schidman zu dem setzen und wir unsers theils auch zwen, und waß sich den die fünff al gemainlich alß der mertheil unter ihnen nach unnsserbeyder theil redt und wider redt zu dem rechten darumb erkennent und sprechent, da bey soll es dan auch bleiben an irrung daß und allen hieruor geschribner bedingten stuckh und artickhel. Zu wahren offnen uhrkhundt unnd stätter vest sicherheit haben wir vorbenempten aydgnoßen von sant Gallen, von Apenzel, von Veldkirch, von Altstäten, von Reinegg, von Walgew und von Montafon unsser stät und landt innsigel offentlich gehenckht an dem brieff und ich Frickh Tölsch zu dissenn zeiten landaman zu Ranckhweil mein insigel für unß und all unnsser aydgnossen helffer und diener und die unsser, darunder wir dieselben ihr aydgnoßen, die da nit versige len, unß vestigclich verbindet aller hievorgeschribner dingen mit crafft und uhrkhunde deß offen brieffs. Der geben ward zue Veldtkhirch deß jahrs, da man zalt von Christs geburthe vierzechen hundert und darnach in dem fünften jahr an sant Gallen tag.
Sant Gallen LS Appenzel LS Veldtkhirch LS Altstäten LS Reinegg LS Walgo LS Montafon LS Tölsch LS
Abschrift (B), 18.Jh., Vorarlberger Landesarchiv Bregenz, 1611.
Druck: Zellweger, Urkk. I/2,180. – UB St.Gallen IV, 2352. – Liechtenstein. UB I/3, 52.
Regest: Eidg. Abschiede I, S.464, Nr.387. – Krüger, MVG 22 (1887), 682. – App. UB I, 239. Liechtenstein. UB I/5, 496.
Anmerkung: „v“ als Vokal aus Original in „u“ geändert
https://dn790007.ca.archive.org/0/items/irkundenbuchder01gallgoog/irkundenbuchder01gallgoog.pdf
Anmerkungen:
[1] Land Appenzell [2] Feldkirch, Vorarlberg [3] Walgau, ebd. [4] Bludenz, ebd. [5] Montafon, ebd. [6] Rankweil, ebd. [7] Götzis, ebd. [8] Rheineck SG [9] Altstätten SG [10] Marbach SG [11] Berneck SG [12] Balgach SG [13] Lustenau, Vorarlberg [14] Kriessern, Gem. Oberriet SG [15] Eschnerberg, Gem. Eschen FL [16] Rhein, Fluss [17] Sax, Gem. Sennwald SG [18] Gams SG [19] Fussach [20] Höchst, ebd. [21] Hugo XII. v. Montfort, zu Bregenz, 1373–†1424
[22] Neuburg, Gem. Koblach, Vorarlberg [23] B, statt einkeinen [24] B, statt aus [25] B, statt unzher [26] Bregenz, Vorarlberg [27] B, statt ald [28] B, stat infäl.
