Am 9. Januar 1647 gingen die Gesandten der Städte Feldkirch und Bludenz und des Montafons, Gasser, Zürcher und Fitsch, nach Bregenz, um mit Wrangel über die Kontribution zu verhandeln, doch ohne Resultat, außer dem Zeitgewinn [1] . Denn die Entscheidung für oder gegen die Übergabe an die Schweden war noch nicht gefallen. Vorsorglich war die Feste Neuburg von Feldkirch aus frisch verproviantiert und dem Kommandanten Caspar Jonas versprochen worden, er werde von dort auch Mannschaft bekommen [2] . Die Vorarlberger Stände versuchten auch jetzt noch mit allen Mitteln, die Eidgenossen für sich zu gewinnen. Diese hatten am 7. Januar in Wil unter dem tiefen Eindruck der Katastrophe von Bregenz, in der Angst, eingekreist zu werden, die erste gesamteidgenössische Wehrordnung, das „Defensionale von Will“ beschlossen, zum bewaffneten Schutz der Neutralität, »zu unseres allgemeinen Staates und Vaterlandes notwendiger Beschirmung und Erhaltung der von unseren lieben Vorfahren so teuer erworbenen herrlichen Freiheiten“; ein Aufgebot von 36.000 Mann in drei Auszügen mit entsprechender Organisation wurde ins Auge gefasst , In den nächsten Tagen sammelten sich rund 7000 Mann an der Grenze Vorarlbergs . Die Bündner besetzten im Gefühl der Bedrohung die Luziensteig und forderten Waffenhilfe von Spanien, diesmal gleich wie Erzherzog Ferdinand Carl . Sie erhielten wenigstens den Sold für ihre eigenen Truppen.

[1] G. Fischer Schwedeneinfall S 26
[2] G. Fischer w.o. S 33

Eidgenossen werden um Schutz für Feste Neuburg und Stadt Feldkirch gebeten.

Die Welle der Sympathie im Schweizervolk schien den Vorarlbergern mehr als ausreichend für einen Umschwung. Am selben 9. Januar 1647, an dem Gasser, Zürcher und Fitsch bei Wrangel saßen, erschienen in Rheineck beim Landvogt und den Kriegsräten »zwei Österreichische Amtleute von Feldkirch“ und erklärten, wenn die Eidgenossen die Festung Neuburg und die Stadt Feldkirch mit 70 Geschützen und 160 Zentner Pulver in ihren Schutz nehmen wollten, mit der Bedingung, sie nach dem Friedensschluss gegen Bezahlung der Unkosten zurückzustellen, dann werde man ihnen beide sofort übergeben [1] . Am 10. Januar abends kamen die Vertreter der Vorarlberger Stände, von Stadt und Herrschaft Feldkirch, Bregenz, Hohenegg, Bludenz, Montafon, Sonnenberg, Neuburg und Jagdberg, angeführt von Stadtammann Johann Furtenbach, nach Rheineck [2] und erklärten, die Herrschaft Bregenz sei jetzt von den Schweden besetzt, es bestehe die Gefahr, dass auch die übrigen Herrschaften überwältigt werden. Dadurch werde für die Eidgenossenschaft schwerer Schaden entstehen, sowohl militärisch durch den gefährlichen Vorstoß der schwedischen Macht, der zur ständigen Bewachung der Übergänge zwinge, als auch für den Handel, besonders mit Salz [3] . Sie seien beauftragt, dies vor ihnen, dem Landvogt und den Kriegsräten, darzulegen und die Eidgenossen »kraft der Erbeinigung, auch um der Freund- und Nachbarschaft willen“ entweder um Waffenhilfe zu bitten, wozu sie ihrerseits ebenfalls aufs äußerste entschlossen wären oder durch ernste Vorstellungen den Feldmarschall zum Verlassen des Landes zu bewegen [4] , damit die grausame Kriegslast von ihm genommen sei. Das Ansuchen wurde an die Eidgenossen weitergegeben. Auch Graf Carl Friedrich von Hohenems war nach Rheineck gekommen, und hatte auf die gefährliche Lage seiner Herrschaft und damit der Eidgenossenschaft hingewiesen, wenn die Feste Hohenems, die nur auf ein halbes Jahr mit Proviant versehen sei, in die Gewalt des Feindes falle. Er begehrte Hilfe mit Proviant [5] . Von Neuburg, das dem Grafen verpfändet war, sprach er nicht.

[1] Staatsa. Zürich A 178/8 n. 1, S. 17 Schreiben des Landvogts im Rheintal an Zürich vom 9. Januar 1647: ,,. . . wan die Herren Eidtgenossen die Vestung Nüwenburg und Statt Veldtkirch, darin in 70 Stukh Geschütz und 160 Centner Bulver In Ihre protection nemmen woltend, Sy selbige beide Oerter mit der condition übergeben, das solliche nach einem Generalfriden gegen bezahlung des Vnkostens restituiert werden soltend.“
[2]  Schreiben des Landvogts an Zürich vom 10. Januar 1647 Staatsa. Zürich A 178/8 n. 1 S. 17.
[3] ,,Dardurch der Find mit vil grossen Geschütz und nothwendiger monition (in Feldkirch) nit allein treffenlich gesterkt sonder auch zu grossem nachtheil der Eidtgenössischen Landen der Saltzhandel und andere Comercien geschwelt und die Päss am Rhyn mit bharlichen Wachten zu versehen genöttiget . . .“ (ebendort).
[4]  ,,mit thetlicher hilfi by zu springen, darzu Sy auch Ir üsserstes vermögen darzusetzen entschlossen Oder aber mit einer ansehenlicher Bottschaft ald schrifhlich by dem Generalen anzuhalten und durch Ir ansehen dahin zu arbeiten, das man dissere Land quitieren . . .“ (ebendort S. 19).
[5]  ,,Veber diss hat sich auch bi unss yngestellt Ihr Gnaden herr graff Carl Friderich von HohenEmbs, der uns glychfals Klagt, und eröffnet die grosse gfahr, In deren er sich in syner Herschaft befinde . . . wan die Veste HohenEmbs, die allein uff ein halb Jahr proviantiert, in des Findts gewalt kommen solte, was Lobl. Eidtgnoschaft lycht darus erwachssen möchte und darby begert, das die Herrn Eidgenossen Imme mit proviant zu Hilfi kommen woIten . . .“ (ebendort S. 19).

Weiteres Bemühungen um Hilfe von der Eidgenossenschaft

Inzwischen hatte der Konstanzer Domherr Leonhard Pappus, ein Feldkircher, als Geschäftsträger bei der Eidgenossenschaft namens des Kaisers einen Schritt bei Zürich, dem vorsitzenden Ort unternommen. In einer Denkschrift [1] , ausgehend von der ,dieser Tage“ erfolgten Eroberung von Bregenz und dem weiteren Vordringen der Schweden gegen Feldkirch legte er dar, dass die Schweden offenbar diese von der Natur befestigten, durch die Erbeinigung mit den Eidgenossen verbundenen Vorderarlebergischen Herrschaften“ auf die Dauer an sich ziehen [2] .

Nun grenze aber die Eidgenossenschaft mit ihren gemeinen Vogteien den Rhein hinauf derart an Vorarlberg, dass, von der Scheidung durch den Rhein abgesehen, alles fast für ein einziges Land zu halten sei [3] . Pappus‘ weiterer Vortrag [4]  gipfelte in der Empfehlung, „die Eidgenossenschaft solle das feindliche Heer entweder gütlich oder mit Androhung der Gewalt aus dem Land weisen. Die Schweiz habe jederzeit verstanden, in gerechter Sache ein glückliches Schwert zu gebrauchen [5] überdies seien in Vorarlberg noch viele feste Punkte, Schlösser und Übergänge, besonders die Festung Neuburg halte sich und werde das bei Hilfe noch länger tun; das durch den augenblicklichen Schrecken jetzt noch zerstreute Landvolk werde sich wieder sammeln und dem Feind bald gewachsen sein [6] . Zürich werde es nicht schwer haben, die übrigen, deren Eingreifen geneigten Eidgenossen zu gewinnen, da ja der gemeine Mann in der Schweiz ganz willig und begierig sei, sofort zu helfen [7]  . Die dauernde Last der militärischen Sicherung des Rheines werde weit schwerer zu tragen sein.

[1]  Staatsa. Zürich A 17818 n. 59 ,,1647″ bezeichnet, sonst ohne Datum.
[2]  ebendort: ,,. . . in dissen von Natur engen Vessten undt wohl verwahrten Landen einen stetten und beständigen fuess zuesezen . . .“
[3] Staatsa. Zürich A 17818 Ebendort: ,,. . . welche (Eidgenossenschaft) neben den gemainen Vogteyen den Rhein hinauff naher an die gedachte Vorder Arlenbergische Landt mit ihren aignen herrschafften am allernegsten und also angränzen, dass ausser dem, dass sie von dem Rhein geschaydet, alles fast für ein Landt allein zue halten undt beyderthaylen vil gerechtsamme diss undt ienerseiths dess Rheins ainer undt anderer herrschafft zuestandy . . .“
[4] Beide Staaten hätten dies- und jenseits viele Rechte; daraus ergebe sich klar die schwere und täglich wachsende Gefahr durch den schwedischen Einfall für die Eidgenossenschaft. Vor ihren Augen würden die Einwohner der genannten Herrschaften ins äußerste Elend gestürzt, von der französisch-schwedischen Soldateska in einer kaum von Türken und Tataren erwarteten Weise auf das grausamste, schlimmer als das Vieh geplagt; aber auch die Eidgenossen seien in Gefahr, das gleiche zu erleiden und ihre von vielen hundert Jahren her mit Blut erworbene Freiheit zu verlieren. Dabei seien sie von einer mächtigen, ständig weiter anwachsenden Monarchie umgeben, die alle angrenzenden Gebiete und besonders die in Freiheit lebenden Völker unterdrücke; die Eidgenossenschaft werde von ihren Verbündeten abgeschnitten, die Erbeinigung beseitigt, die Zufuhr des Salzes und aller andere Handel gesperrt, bis die Schweiz der Willkür eines hochmütigen Potentaten ausgeliefert sei. Solange Vorarlberg in fremder Hand bleibe, gebe es für die Eidgenossen keine Sicherheit (,,. . . und gewiss ist, alls lang die Vorberhüertte Landtsahrtt der Arlenbergischen Herrschafften in dissem undt frembden gewalt verbleibt, dass ein Löbl. Aydtgnoschaft niemhalen gesichert sein khan.“).
[5] ,,. . . so ist dass Exempel ihrer löbl. Aeltern bekhandt, welche sich nit gescheucht . . . dass ihnen von Gott anvertrawte undt bey gerechten sachen iederzeitt glückhlich gesegnete Schwerdt zue gebrauchen . . .“ (ebendort, Denkschrift).
[6] ,,. . . in dem noch vil veste, starckhe ohrtt, Schlösser undt päss in den Vorder-Arlenbergischen Herrschaßten und sonderlich der pass und Vestung Newburg an dem Rhein sich gegen ihrem feindt halten thuett Vnd wofhern sie eines zeittlichen Sucurs vertröstet, sich noch länger halten undt dass auss schreckhen iezundt zerstrewte Landtvolckh sich widerumb samblen undt ihren widrigen baldt gewaxen sein wurde . . . “
[7]  ,,. . . der gleichen Christlich und Heroische resolution darzue man die übrige ohrtt wohl incliniert, ia den gemainen man ganz willig und begirig zue sein weisst . . . „

Jänner 1647 – Die Neuburg wird  besetzt

Eine weitere Gesandtschaft der Vorarlberger Stände ging zu Verhandlungen nach Appenzell, wo die Aussichten besonders gut schienen  [1]
Doch alles Zureden war umsonst, und die Zeit verrann. Die Eidgenossen, von Wrangels schnell beruhigt [2]   bekannten sich zur Neutralität und griffen nicht ein. Nur die Appenzeller [3], der Abt von St. Gallen und die Rheintaler [4]   waren bereit, mit Waffengewalt einzugreifen. Damit war das Schicksal Vorarlbergs noch einmal besiegelt. Bitter sagt Leonhard Pappus darüber: „Denn die Schweden hatten keinen Groll und keine Lust zu Gewalttaten gegen die Schweizer; diese begnügten sich, den Untergang der Nachbarn von ihrem sicheren Ort aus zu bedauern. Dass sie Hilfe brächten, obwohl das Bündnis, das sie Erbeinigung nennen, danach schrie, kam nicht in Frage.“ Die Regierungen gingen über die Volksstimmung hinweg.
Während Hohenems sich hielt, [5] ergab sich die Neuburg jetzt, nur mehr von einem Mann besetzt, sofort, sie erhielt eine Besatzung.  [6]
Für die Dörfer Höchst, Fussach und Gaißau war von den Dreizehn Orten der Eidgenossenschaft bei Wrangel Fürsprache eingelegt worden, »weil sie dem eidgenössischen Corpo zugetan“ . Die Brandschatzung wurde den drei Dörfern auf neuerliches Schreiben der eidgenössischen Gesandten in Wil und Vorsprache des Vogtes zu Blatten sowie des Stadtschreibers Bärlocher von 1000 auf 600 Reichstaler, zahlbar in 14 Tagen, herabgesetzt .

[1]  Sta. Bregenz, Memorabilia fol. 190 (Denkschrift Ende des 17. Jahrh.).
[2] Ransperg, Kriegsgeschichte S. 212: ,,Demnach derohalben sich General Vrangel wollte in allweg versicheret haben, Sandte er ein Ehrliche Bottschafft an die Gemeinen häubter der 13 Orthen de dato 7. Jener, dieselbige dardurch mit gegebnem schreiben Vor aller feindtethigkeit Zue vergwissen also schreibendt: deme nach die Statt Schloss Vnnd herrschafft Bregentz mit Ihrer Claussen und Pass in unsern gewalt gerathen, So haben iedoch die herren hieraus keinerley wege die gedanckhen zue schöpffen, als wan man diseits einige feindtliche Attentaten gegen sie Vnd Ihre grentzen für zue neinen gesinnet, Besonderen weil ich sie Kraft dises vil mehr aller freund-Vnd Nachparschafft bestermassen versichert haben nit zweiffiendt die herren werden meiner Anvertrauten Konigklichen Armee Vnnd Soldatesca reciproce begegnen . . .“ Darauf kam die Gesandtschaft der Eidgenossen nach Bregenz, wo man bei festlicher Bewirtung zum Abschluß kam.
[3] Ransperg, Kriegsgeschichte S. 198: ,,Obgleich . . . Ihrer (der Eidgenossen) auch etlich besonders die Appenzeller mit hin Vberfall an den feindt sich wagen woltten . . .“ — Nach einer Denkschrift des späteren 17. Jahrhunderts (Sta. Bregenz, Memorabilia S. 190) war ihre Antwort am 26. Februar 1647 (ein Datum das zu spät ist) enttäuschend: ,,. . . die von dem Orth und Landt Appenzell alss negst benachparten ainer Vorarlebergischen Stendten ahn sie verordneten Gesandtschaft (cum praescitu serenissimi sed suppresso) den 26. Februar gegeben resolution und dahin gestelte Antworth, seye Ihnen Appenzellern von hertzen laidt, das sie gemainen Stendten der vier Herrschaften Vorm Arlberg in disem fahl nit wilfahren khönen, es Ilgen Ihnen ain weg die bündtnus so sye mit den 12 Orthen löbl. Aydtgnossschaft haben, krafft welcher khain orth befuegt, ohne vorwissen aller 13 orthen Volckh ausser Landts zu schickhen, da mans begehre, das sie solch begehren an die 12 orth gelangen lassen, seyen sie erbietig, solches alsbald zu thuen; gewiss seye, wan sye unss mit Beyhilf begegnen, und der feindt ihre Landt anfechten solte, das die übrige Eydtgnossische orth alle schuldt Ihnen zue messen wurden.“ Immerhin war Landammann Suter von Appenzell-lnnerrhoden gleich nach der Eroberung von Bregenz nach Schwyz gereist und hatte dort die Mobilmachung erreicht (Gallati, Eidgenössische Politik S. 245).
[4] Zum Kampf waren auch Innerschweizer entschlossen, drangen aber nicht durch: so schreibt der Vertreter Uris am 16. Februar, der Schultheiß von Luzern, Flekkenstein und etliche in Schwyz wollten verschmachten, weil man die Schweden von Bregenz nicht weggeschlagen oder angegriffen habe (Gallati, Eidgenössische Politik S. 248 Anm. I).
[5] Ransperg, Kriegsgeschichte S. 217: ,,Das Schloss hohenEmbs aber hatt sich leder zeit starckh Vnnd Vest erhaltten, gleichwolen es Von Anfang ein schlechtes Ansehen Vnnd geringe Anstalt erscheinen lassen . . .“
[6] Der Fall von Neuburg wurde während des Festes der Schweden mit den eidgenössischen Gesandten in Bregenz gemeldet: ,,Vnder wehrender mahl Zyt Ist dem Generalen bericht ynkommen, wie die Veste Nüwburg ob Embs am Ryhn von den Oesterychischen verlassen und von Schwedischen yngenommen Vnd dauff funden worden seyen 12 grosse Stuckh 90 toppelhakhen, vil kleine Wehr und Wäfen Item in 60 Centner Pulver, sovil blei und Zündtstrikh; darüber er gelachet und sagt, das glükh kombt Vns zu huss, wyl wir schläffend.“ (Staatsa. Zürich A 178/8 S. 33.)

Die Schweden verlassen Vorarlberg, halten aber die Neuburg weiter besetzt.

Am 6. März verließen die Schweden, von einer kleinen Besatzung auf der Neuburg abgesehen, das Land wegen Futtermangel und weil sich die militärische Lage inzwischen geändert hatte; am 14. März zeigte sich dies im Abschluss des Waffenstillstandes zwischen Frankreich und Schweden einerseits und Bayern andererseits. Nach dem Funkensonntag begann der Abmarsch. Schon vor dem Abzug hatten Hunderte die Nähe der Schweiz, Bündens oder des Wäldes ausgenützt und waren desertiert .
Dafür wurden jetzt trotz gegebenen Wortes sehr viele junge Burschen, ja Knaben, aus dem Lande mitgenommen . Wrangel verpflichtete die Bevölkerung weiterhin zur Treue gegen Schweden, dann ließ er die Befestigungen um Bregenz, auch die Burg auf dem Gebhardsberg, die sich wegen Wassermangels nicht für eine Besatzung eignete, sprengen . Die Zerstörung der Schattenburg und der Feldkircher Stadttore wurde durch die Bürgerschaft verhindert, die dafür eine namhafte Kontribution zahlte und eidlich gelobte, die Schattenburg für die Krone Schwedens selbst zu verwalten , Vierzehn stattliche Schiffe nahmen die Schweden von Bregenz mit; zwei ganz große verbrannten sie im Hafen . Obwohl ihre Hauptmacht an den oberen Main rückte, beherrschten sie weiterhin einen Teil des Bodenseegebietes und Vorarlbergs. Wrangel erfüllte zum Glück den Wunsch der Franzosen nicht, ihnen das Land und seine Festungen zu überlassen, offenbar auf Einspruch der Schweizer und besonders der Bündner, die sich der Zeit Rohans erinnerten. .  [1]

[1] Graubünden fürchte die Rache für die Kapitulation Rohans und scheue die Nähe französischer Truppen, ,,welches dan auch vormahls bey dem Schwedischen Einfall die Ursach gewesen ist, den General Vrangel zue Disponiren, die in denen Arlbergischen Herrschahten occupierte orth alss besonders Neuburg denen Franzosen auff Ihr Starckhes anhalten nit zue yberlassen, sondern auch so gar cum ofknsa abzueschlagen . . .“, wie auch das ,,compendium belli Germanici“ (von L. Pappus) melde (Sta. Bregenz, Relation etwa 1675-1678, Memorabilia S. 192-193).

Neuburg als Stützpunkt der Schweden

Was in der Reichweite der Neuburg, des Schlosses Gießen bei Lindau und von Langenargen lag [1]  , erduldete nun auch nach neun Wochen harter Herrschaft den schwedischen Albdruck  [2] .
Der Kommandant von Neuburg hob nach wie vor Kontributionen ein  [3], so von Klaus, worauf sich dessen Bewohner, St. Galler »Reb- und Lehenleute“, an den Abt von St. Gallen wandten, der am 18. April scharfen Protest erhob, mit dem Hinweis auf die Neutralität, die an das mit Wrangel vereinbarte freundnachbarliche Verhältnis geknüpft sei. [4]   Selbst Bludenz wurde noch bedroht. [5] über den See kamen Öfters schwedische Schiffe [6]  .

Erst im April 1647 marschierten aus aller Welt zusammengeholte österreichische Truppen — kaum 400 Mann — unter dem Feldzeugmeister von Enkenfort und Oberst Aichhorn über den Arlberg und besetzten punktweise das Oberland  [7] . Feldkirch verweigerte trotz Aufforderung durch den Erzherzog die Übergabe der Schattenburg an den Vogt Graf Karl Friedrich von Hohenems, weil er schuldig am Verlust der Burg sei. Stadtammann und Rat schrieben am 28. April, die Burg werde nur dem Erzherzog übergeben, wenn er die Freiheiten der Stadt bestätigt habe, und zwar erst nach dem Abzug der Schweden aus der Neuburg. [8]

Der Emser und sein ungetreuer Burgvogt bemühten sich umsonst. Enkenfort nahm sein Quartier in Feldkirch; er sicherte das Oberland durch Aufruf der Landwehr  [9] , die nun in harter Schanzarbeit einen Erdwall mit Gräben und Palisaden bei Hohenems vom Berg bis an den Rhein errichtete, wie es vordem von den Oberländern gewünscht worden war. [10] Am 15. Mai beschloss ein Landtag der Oberländer Stände die zur Verteidigung nötigen Beträge  [11] .

[1] ,,Diser gestalt Zoge der feindt in wenig stunden ab Vnnd liess hinder sich das Schloss Newburg (das man zu Vor so wenig achtete), die Veste LangenArgen unnd das schlösslin Giessen vor Lindaw heraussen mit gnugsamer Mannschaft unnd Proviant verwahret . . .“ (Ransperg S. 227).
[2] Ebendort S. 233: ,,. . . man Vns so wohl den Comendanten in Newburg als andere in der nehe gelegne Schwedische auf die hauben gesetzt, Damit sie uns in Ihrer Devotion halten möchten. Dergestalt sindt Vnsere herrschaßten samentlich in ein gewisse Contribution gezogen Vnnd Zue leistung derselben getriben worden . . .“
[3] ,,Der Commendant auf Newburg ward nit saumseelig die gelter einzue samblen, dartzue Ihme sehr verhiilfflich war Joan. Georg Paumgartner Aus Tyrol gepürtig Vnnd sesshafft vor disem zue Bregentz.“ (Ransperg, Kriegsgeschichte S. 233.)
[4] Stiftsa. St. Gallen G. 1775/503: ,,Bey unnss haben sich unnsere Reb- und Lehenleut an der Clauss ganz angelegenlichen erclagt, wassgestalten sie von dem Commendanten auf der Veste Newburg mit unerträglicher monatlicher Contribution, so sich in 60 Gulden belauffet angesehen . . .“ er ersucht die Summe ,,auf ein Ihnen erträgliche monatliche contribution zue reducieren und zue richten mit erinnerung der Neutralitet, welche wir neben andren Ständten der loblichen Aydtgnoschaft mit seiner Exellenza der Cron Schweden General Feldmarschällen Carl Gustav Wrangel angenomen . . . in welcher reciprocirliche Versicherung gethon worden, alle guete freundt- und nachparschafft ainander zu erweysen. Diese unerträgliche monatliche Exaction und Auflag aber solcher Neutralitet ganz nit correspondieren und gemess seyn wurde . . .“
[5] Am 13. April berieten sich die Vertreter von Bludenz, Sonnenberg und Montafon im Bludenzer Schloß über die Drohung des Kommandanten zu Neuburg ,,mit Brandt, Leib und gut zu straffen“; man hatte ihm am 9. März Antwort gegeben, aber keinen Bescheid erhalten, so daß man sich für entschuldigt hielt. Die Sache sollte vor alle Gemeinden gebracht werden. Am 18. April war die österreichische Abteilung bereits am Einmarsch (Vogta. Bludenz im La. Bregenz 197).
[6]  Ransperg, Kriegsgeschichte S. 239: ,,Den schreckhen vermehrte das immer wehrende fahren auff dem See von den Schwedischen mit vilen schiffen mehrmahlen geschehen.“
[7] Vogta. Bludenz n. 1164; Fischer, Schwedeneinfall S. 29.
[8]  Vogta. Bludenz n. 1164; Fischer, Schwedeneinfall S. 29. Ebendort S. 29—30.
[9] Nach Vogta. Bludenz n. 1164 mußte die Landwehr von Bludenz, Sonnenberg und aus dem Montafon die Gewehre aus dem Stanzertal abholen.
[10] Fischer, Schwedeneinfall S. 31; Ransperg, Kriegsgeschichte S. 235: ,,In deroweilen machte man den abschnitz Vnnd Schantz bey dem Fleckhen Embs mit gräben, Palisaden, bruggen vom berg bis in den Rhein hinab.“
[11] Fischer, S. 31—32; Ransperg ebendort S. 235: ,,. . . welches die Oberlender Vnnd Wälder nit wenig gekostet . . .“

23. Mai 1647 – Die Schweden verlassen die Neuburg

Inzwischen wurde die Neuburg vom Graf von Hohenems, dann von Enkenfort ohne Einsatz belagert; am 23. Mai kapitulierte die Besatzung unter dem Hauptmann Graham, die frei abziehen durfte  [1] ,  Am 28. Mai übergaben die Feldkircher die Schattenburg dem Oberst Aichhorn  [2]

[1] Fischer, Schwedeneinfall S. 32; ,,Auf diesen Sieg war Enkenfort so sehr eingebildet, so sehr schien ihm, als habe er damit den Ruhm seiner Taten begründet, daß man ihn prahlen hörte, eine Burg wie den Hohentwiel habe er bezwungen.“ (,,Haec tarnen victoria ita adamavit sc, ita sibi visus est initiasse rerum suarum famam Enckefortius, ut iactare audiretur parem Tuilio arcem a sc domitam“ (Leonhard Pappus, Epitome rerum Germanicarum bei Arndts S. 182.)
[2] Fischer, ebendort S. 30.