Neuburg als Stützpunkt der Schweden
Was in der Reichweite der Neuburg, des Schlosses Gießen bei Lindau und von Langenargen lag [1] , erduldete nun auch nach neun Wochen harter Herrschaft den schwedischen Albdruck [2] .
Der Kommandant von Neuburg hob nach wie vor Kontributionen ein [3], so von Klaus, worauf sich dessen Bewohner, St. Galler »Reb- und Lehenleute“, an den Abt von St. Gallen wandten, der am 18. April scharfen Protest erhob, mit dem Hinweis auf die Neutralität, die an das mit Wrangel vereinbarte freundnachbarliche Verhältnis geknüpft sei. [4] Selbst Bludenz wurde noch bedroht. [5] über den See kamen Öfters schwedische Schiffe [6] .
Erst im April 1647 marschierten aus aller Welt zusammengeholte österreichische Truppen — kaum 400 Mann — unter dem Feldzeugmeister von Enkenfort und Oberst Aichhorn über den Arlberg und besetzten punktweise das Oberland [7] . Feldkirch verweigerte trotz Aufforderung durch den Erzherzog die Übergabe der Schattenburg an den Vogt Graf Karl Friedrich von Hohenems, weil er schuldig am Verlust der Burg sei. Stadtammann und Rat schrieben am 28. April, die Burg werde nur dem Erzherzog übergeben, wenn er die Freiheiten der Stadt bestätigt habe, und zwar erst nach dem Abzug der Schweden aus der Neuburg. [8]
Der Emser und sein ungetreuer Burgvogt bemühten sich umsonst. Enkenfort nahm sein Quartier in Feldkirch; er sicherte das Oberland durch Aufruf der Landwehr [9] , die nun in harter Schanzarbeit einen Erdwall mit Gräben und Palisaden bei Hohenems vom Berg bis an den Rhein errichtete, wie es vordem von den Oberländern gewünscht worden war. [10] Am 15. Mai beschloss ein Landtag der Oberländer Stände die zur Verteidigung nötigen Beträge [11] .
[1] ,,Diser gestalt Zoge der feindt in wenig stunden ab Vnnd liess hinder sich das Schloss Newburg (das man zu Vor so wenig achtete), die Veste LangenArgen unnd das schlösslin Giessen vor Lindaw heraussen mit gnugsamer Mannschaft unnd Proviant verwahret . . .“ (Ransperg S. 227).
[2] Ebendort S. 233: ,,. . . man Vns so wohl den Comendanten in Newburg als andere in der nehe gelegne Schwedische auf die hauben gesetzt, Damit sie uns in Ihrer Devotion halten möchten. Dergestalt sindt Vnsere herrschaßten samentlich in ein gewisse Contribution gezogen Vnnd Zue leistung derselben getriben worden . . .“
[3] ,,Der Commendant auf Newburg ward nit saumseelig die gelter einzue samblen, dartzue Ihme sehr verhiilfflich war Joan. Georg Paumgartner Aus Tyrol gepürtig Vnnd sesshafft vor disem zue Bregentz.“ (Ransperg, Kriegsgeschichte S. 233.)
[4] Stiftsa. St. Gallen G. 1775/503: ,,Bey unnss haben sich unnsere Reb- und Lehenleut an der Clauss ganz angelegenlichen erclagt, wassgestalten sie von dem Commendanten auf der Veste Newburg mit unerträglicher monatlicher Contribution, so sich in 60 Gulden belauffet angesehen . . .“ er ersucht die Summe ,,auf ein Ihnen erträgliche monatliche contribution zue reducieren und zue richten mit erinnerung der Neutralitet, welche wir neben andren Ständten der loblichen Aydtgnoschaft mit seiner Exellenza der Cron Schweden General Feldmarschällen Carl Gustav Wrangel angenomen . . . in welcher reciprocirliche Versicherung gethon worden, alle guete freundt- und nachparschafft ainander zu erweysen. Diese unerträgliche monatliche Exaction und Auflag aber solcher Neutralitet ganz nit correspondieren und gemess seyn wurde . . .“
[5] Am 13. April berieten sich die Vertreter von Bludenz, Sonnenberg und Montafon im Bludenzer Schloß über die Drohung des Kommandanten zu Neuburg ,,mit Brandt, Leib und gut zu straffen“; man hatte ihm am 9. März Antwort gegeben, aber keinen Bescheid erhalten, so daß man sich für entschuldigt hielt. Die Sache sollte vor alle Gemeinden gebracht werden. Am 18. April war die österreichische Abteilung bereits am Einmarsch (Vogta. Bludenz im La. Bregenz 197).
[6] Ransperg, Kriegsgeschichte S. 239: ,,Den schreckhen vermehrte das immer wehrende fahren auff dem See von den Schwedischen mit vilen schiffen mehrmahlen geschehen.“
[7] Vogta. Bludenz n. 1164; Fischer, Schwedeneinfall S. 29.
[8] Vogta. Bludenz n. 1164; Fischer, Schwedeneinfall S. 29. Ebendort S. 29—30.
[9] Nach Vogta. Bludenz n. 1164 mußte die Landwehr von Bludenz, Sonnenberg und aus dem Montafon die Gewehre aus dem Stanzertal abholen.
[10] Fischer, Schwedeneinfall S. 31; Ransperg, Kriegsgeschichte S. 235: ,,In deroweilen machte man den abschnitz Vnnd Schantz bey dem Fleckhen Embs mit gräben, Palisaden, bruggen vom berg bis in den Rhein hinab.“
[11] Fischer, S. 31—32; Ransperg ebendort S. 235: ,,. . . welches die Oberlender Vnnd Wälder nit wenig gekostet . . .“